Xining 4


XINING

@ferngeweht hatte die geniale Idee Stadt – Land – Fluss mit Reisebloggern zu spielen. Jeder Reiseblogger darf sich einen Buchstaben aussuchen, bis alle weg sind. Früher war ich bei diesem Spiel unschlagbar ;-). Deswegen habe ich als besondere Herausforderung prahlerisch verlauten lassen, ich nehme den Buchstaben, der am Schluss übrig bleibt.

Bei meinen zwei Weltumrundungen mit dem Fahrrad bin ich schon ein paar Mal das Alphabet auf und ab gefahren. Ich kann zu jedem Buchstaben etwas erzählen

Es war schon fast vorauszusehen, welchen Buchstaben keiner möchte: das „X“. Mir fiel sofort die chinesische Stadt Xining ein, am Rande der Taklamakan, der zweitgrößten Sandwüste der Welt. Ich möchte Euch nun mit dieser Stadt bekannt machen, damit euch beim nächsten Mal sofort eine Stadt mit „X“ einfällt.

Anfahrt

Xining ist so ziemlich in der Mitte von China. Ich kam vom Westen, auf der nördlichen Route durch die Taklamakan. In Xining trifft sie wieder auf die Südroute. 

Xining

Kommt man von Osten, hat man wahrscheinlich kurz vorher die Terrakotta Arme in Xi’an angeschaut. Diese berühmtere Stadt ist nicht mal 1.000 km entfernt, für die Distanzen in China quasi ein Katzensprung, 16 Stunden mit dem Zug.

Kommt man aus der anderen Richtung mit dem Zug, hat man wahrlich eine fantastische Reise hinter sich. In Xining ist der Endbahnhof der Lhasa Bahn. Auf 1.956 km schlängelt sie sich auf über 5.000 Höhenmeter bis zur Hauptstadt Tibets. Die Lhasa Bahn ist somit die höchstgelegenste Eisenbahnstrecke der Welt.

GhinBerge

Aber auch mit dem Fahrrad ist es ein Genuss. Ich kam über die „G227 von Nordwesten, einer der allerschönsten Strecken, die ich in China gefahren bin. Am Anfang noch hügelig mit vielen leuchtend gelb blühenden Rapsfelder im Juli und August, die die Sandwüste ablöste. Dann wird es bergiger und die Pässe erreichen auch hier eine Höhe von fast 4.000 Höhenmetern. Auf jedem Pass befindet sich eine Stupa und Gebetsfahnen, wie es für die buddhistischen Gebiete üblich ist.

Für alle Jetsetter, es gibt natürlich auch einen Flughafen in Xining.

Leute

Kurz vor Xining habe ich Ghin, einen jungen, chinesischen Radfahrer, verloren. Elf Tage sind wir zusammen gefahren. Es war fantastisch, er sprach sehr gut Englisch und hat mir einen ganz anderen Zugang zu der Bevölkerung verschafft.

Da wir hauptsächlich in der Wüste unterwegs waren, war es kein Problem, wenn wir weit auseinander fuhren. Es gab praktisch immer nur eine Straße.

Vor Xining änderte sich das und weg war er. So war ich auf einmal in dieser Millionenstadt wieder alleine auf mich gestellt, ohne Stadtplan, GPS oder sonstigen Hilfsmittel.

Mir blieb nichts anderes übrig, als die Leute auf der Straße anzusprechen. Bei den Jüngeren konnte ich hoffen, dass sie wenigsten ein bisschen Englisch sprechen.

Tatsächlich traf ich eine junge Chinesin, die auf ihrem Smartphone das Hostel gefunden und mich dahin begleitet hat.

Das habe ich sehr oft in China erlebt. Die Leute sind sehr hilfsbereit und kümmern sich so lange um Dich, bis alles geregelt ist.

In größeren Städten, vor allem in Universitätsstädten kann man stark damit rechnen, dass man junge Chinesen trifft, die Englisch können und sehr gewillt sind, Dir zu helfen, auch um ihr Englisch zu üben.

Internet

Das ist ein übleres Thema. Es gibt sehr viele Internet-Cafés. Nur, um sie zu benutzen, braucht man eine chinesische ID. Solange ich mit Ghin unterwegs war, war das auch kein Problem. Er hat mir mit seiner ID einen Zugang verschafft. Das fiel nun auch weg.

Auch bei McDonalds kann man übrigens ins Internet, nur braucht man dafür eine chinesische Telefonnummer, also auch keine Option für mich.

Manche Betreiber der Internet Cafés sehen es lockerer und ziehen aus der Schublade einfach eine ID mit der sie Dich registrieren. In Xining hatte ich da nicht so viel Glück. Halb verzweifelt machte ich den Leuten im Internet-Café klar, ich brauche nur eine Adresse und den Weg dorthin.

Schließlich setzte sich der Besitzer mit mir an einen Computer und beobachtete genau, was ich gemacht habe. Zum Glück kam kurz darauf die junge Chinesin von der Straße und meinte, sie hätte das Hostel auf ihrem Smartphone gefunden und begleitete mich dorthin.

Während den Olympischen Spielen 2008 war ich das erste Mal in China. Da konnte ich mich einfach mit meinem Reisepass in den Internet-Cafés registrieren. Das ging jetzt nicht mehr.

In manchen Hostels und Hotels, wo man eh registriert ist und es freies WiFi gibt, kann man natürlich „ohne Probleme“ surfen. Aber auch das wird sicherlich kontrolliert.

Übernachtung

Xining ist Ausgangspunkt verschiedener Exkursionen und Scheidepunkt der Nord- und Südroute durch die Taklamakan. Deswegen gibt es viele Touristen, auch viele junge Backpacker. Für diese stehen westlich orientierte Hostels zur Verfügung.

Neben dem china-eigenen Couchsurfing, gibt es auch Zugang zu der internationalen Couchsurfing-Plattform. Mittelweile tummeln sich da mehr oder weniger ernsthafte Mitglieder von Xining. Ich hatte das Glück von Jane eingeladen zu werden. Sie betrieb (oder betreibt noch) das Lete Youth Hostel. Es war eigentlich hoffnungslos überfüllt und ich war nicht die einzige Radfahrerin. So viele Europäer habe ich seither noch nie in China gesehen.

Hier bekam auch ich das erste Mal seit langem europäisches Essen- Pizza und Salat, sogar mit Messer und Gabel.

In China gibt es vier verschiedene Kategorien von Hotels. In den teuersten zwei dürfen auch Ausländer übernachten. Je nach Provinz wird es mehr oder weniger streng gehandhabt.

Ghin, mein Chinesischer Begleiter, den ich über E-Mail wieder ausfindig machen konnte, übernachtete in einem sehr günstigen Hotel in Xining, zu dem ich keinen Zugang gehabt hätte.

Sehenswürdigkeiten

Die Stadt selbst hat nicht wirklich viele Attraktionen zu bieten. Sie ist aber Ausgangspunkt für viele Exkursionen, nicht nur für die Taklamakan. Eine der naheliegendsten Touren ist um den Qinghai-See, einem der größten Salzseen der Welt. Im Gegensatz zum größten Salzsee, Salar Uyuni in Bolivien, hat der Qinghai-See noch Wasser. Wie lange das noch so ist, ist fraglich. Einige Flüsse, die in den See münden sind schon ausgetrocknet.

xining

Von Osten kommend gibt es ein Tor zur Seidenstraße. Nicht nur die einzige Bahn nach Lhasa geht von hier, sondern auch die bisher einzige Straße in das tibetanische Hinterland.

Essen

Chinesisches Essen ist nicht gleich chinesisches Essen. Allgemein kann man sagen, je südlicher, desto schärfer. Nun, Xining liegt nicht gerade im Süden, trotzdem ist es ratsam als Europäer vorsichtshalber „nicht scharf“ zu sagen, wenn man essen bestellt. Sofern man es aussprechen kann. Ghin hat mir das Schriftzeichen für „scharf“ in mein Notizbuch geschrieben, das ich im Bedarfsfall nur noch vorzeigen musste.

Es gibt viele Dinge auf der Straße, die man einfach so auf die Hand kaufen kann. Irgendwelche Teigtaschen oder die gedämpften Brötchen, Baos. Die sind wie Überraschungseier, man weiß nie was drin ist.

Nur hier habe ich leckere Bratkartoffeln auf der Straße entdeckt.

Kartoffeln

Nachdem ich Ghin wiedergefunden hatte, haben wir uns zum Essen verabredet. Er aß Reis mit Fleisch, ich Nudeln und Gemüse. Ich habe mal wieder darum gebeten, das scharfe Gewürz wegzulassen. Das hat den Nachteil, dass es sehr fad schmeckt. Mit Salz scheinen sie zu sparen, es steht auch nie auf den Tischen.

Als ich nach Salz fragte, meinte Ghin, das wäre nicht nett. Denn Salz ist Sache des Kochs und wenn ich nach Salz frage, heißt es so viel wie, es ist ein schlechter Koch. Ich hoffe, man verzieh mir, es ist ja ersichtlich, dass ich eine „Langnase“, Touristin, bin.

Fazit

Stadt mit „X“ ? Klar Xining. Und ich wette, wenn Ihr wirklich ernsthaft China bereist wird Euch diese Stadt wieder begegnen. Genießt sie einfach und lasst Euch durch die Gassen treiben.


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4 Gedanken zu “Xining

  • Maren

    Ich würde in China verhuuuuungern 😀

    (falls du dich fragen solltest, weshalb… habe so einen Lebenswandel seit den frühen 90ern… hat etwas mit einen „V“ zu tun…)

    Danke für das „X“!

    • doroFleck Beitragsautor

      Vollmilchschokolade?
      Vanilleeis?

      Auch als Veganerin hat man gute Überlebenschancen. Reis mit Gemüse, Nudeln mit Gemüse, Milchprodukte sind Luxus in China.

  • Oli

    Ich fand Xining ebenfalls eine recht symphatische Stadt, wo ich gerne ein paar Tage verbracht habe.

    Nur kurz eine Ergänzung zur Internetzensur, falls jemand vor einer ähnlichen Reise steht: Die Zensur wird einerseits auf der Ebene des ganzen Landes, aber auch auf der Ebene der Provinzen geregelt. Sprich: Es ist nicht die Willkür der Internet-Café-Besitzer, sondern es gibt tatsächlich unterschiedliche Regeln. In manchen Provinzen dürfen Ausländer gar nicht ins Netz, anderswo nur mit Ausweis und nochmals in anderen wird das etwas lockerer gesehen. Es sind übrigens auch je nach Region unterschiedliche Webseiten gebloggt. Im Süden von Shanxi lief zum Beispiel meine deutsche Wetterapp ins Leere. Ebenfalls konnte ich dort meine Emails nicht öffnen. Überall sonst funktionierte es. Facebook und Co haben es sich aber im ganzen Land verscherzt.

    • doroFleck Beitragsautor

      Vielen Dank, Oli, für die Info. Die Unterschiede von Provinz zu Provinz können sehr groß sein. Darum sollte man sich auch gut überlegen, wo man sein Visum verlängert. Du hast da sicherlich auch genauere Information.
      Bezüglich Internet: wenn ich in einem Hotel oder Hostel mit Internet übernachtet habe, hatte ich nie Probleme dies auch nutzen zu können. Nur habe ich die Hotels gemieden und Hostels sind sehr spärlich.