Mit dem Fahrrad auf Sansibar


Sansibar mit dem Fahrrad

Sansibar, welch mythische Geschichten um diese Insel kreisen. Aber wie ist sie heute? Auf der Landkarte sah ich, die Insel ist groß genug und hat Straßen, sehr geeignet um sie mit dem Fahrrad zu erkunden. Hier nun mehr über meine Erfahrungen.

Bei meinen Vorbereitungen merkte ich, die Insel ist wirklich teuer, so wie mir es schon oft prophezeit wurde. Aber, wie vielleicht schon bemerkt, ich habe einen Dickkopf. Ich wollte unbedingt nach Sansibar, also machte ich es irgendwie möglich.

Schon um auf die Insel zu gelangen gab es preisliche Unterschiede. Es gab zwei unterschiedliche Fährgesellschaften: die Kilimanjaro und die Flying Horse. Die erste fuhr viermal am Tag: 9:00, 11:30. 14:30 und 18:00. Sie dauerte circa 90 Minuten, kostete 35 USD und berechnete das Fahrrad extra. Soweit ich mich erinnern kann, waren es nochmals 15 USD.

Die Flying Horse fährt nur um 12:00 mittags und dauert offiziell drei Stunden. Wie in Afrika üblich sollte man lieber gleich eine Stunde dazu rechnen. Sie kostete nur 20 USD, das Fahrrad war frei.

Die Mittagszeit war praktisch für mich, da hatte ich morgens genug Zeit zu packen und zum Hafen zu kommen und war auf jeden Fall vor Dunkelheit auf Sansibar.

Als ich mich Sansibar näherte, merkte ich, hier würde wieder ein ganz anderes Afrika auf mich warten.

 

DSCN8468klein

Selten fand ich es so spannend in Afrika, an einen neuen Ort zu kommen. Schon von weitem sah die Gewürzinsel einfach faszinierend aus.

DSCN8472klein

Wie vermutet kam ich nicht um 15 Uhr, sondern um 17 Uhr an. Es war immer noch genug Zeit.

Mit meinen Übernachtungen hatte ich mal wieder sehr viel Glück. Rund um die Insel hatte ich Einladungen. Die erste war bei Blue Bicycle, mitten in der Altstadt von Stone Town.

Die Gassen waren so eng, dass ich mit meinem GPS nicht weit kam. Es war wie in einem Labyrinth und erinnerte mich sehr an die Medinas in Marokko.

Humud, ein Tourguide von Blue Bicycle, las mich auf und brachte mich zum Blue Bicycle.

DSCN8479klein

Welch ein Luxus. Ich war so glücklich hier zu sein, aber auch müde. In Anbetracht dessen, dass es schon relativ spät war und ich alleine nicht hierher gefunden hatte, ging ich lieber nicht mehr aus. Die Stadt konnte ich noch am nächsten Tag erkunden.

DSCN8480klein

Das tat ich dann und zwar sehr ausgiebig.

DSCN8481klein

Auf dem bunten Markt kann man die verschiedenen Gewürze bekommen, auch schön in Geschenkpackungen verpackt.

Ohne Fahrrad war es in den engen Gassen sehr viel angenehmer.

DSCN8484klein

Mich wunderte sehr, dass es weitgehend erlaubt war, mit dem Auto da durchzufahren.

Wunderbare alte Häuser und viel Grün dazwischen.

DSCN8485klein

Es lohnte sich, wie „Hans guck in die Luft“ herumzulaufen. So entdeckte ich hoch oben das Schild für „Kawa Training Center“. Es war mit Blue Bicycle unter einem Dach. Jetzt hatte ich weniger Probleme meine temporäre Herberge zu finden.

 

 

DSCN8486klein

Einen Tag lang war ich Touristin, klapperte zu Fuß all die Highlights ab. Sie liegen zum Glück alle beieinander. Das größte Highlight war wie immer, einfach rumzustreunen und so interessante Winkel und Gassen zu entdecken.

 

DSCN8489klein

Ein Tag reichte auch, dann wollte ich die Insel und vor allem die legendären wunderbaren Strände erkunden.

Natürlich fanden es die Nachbarsjungen interessant, wie ich mein Fahrrad bepackte und startklar machte.

DSCN8497klein

Vielen Dank an Blue Bicycle

DSCN8501klein

Nachdem ich den Verkehr Stone Towns hinter mir gelassen hatte, warteten wunderbare Alleen auf mich.

DSCN8505klein

Zuerst wollte ich in den Süden, durch den Jozani Forest. Dort scheint es sehr merkwürdige Tiere zu geben.

DSCN8516klein

Später waren wieder mehr Menschen unterwegs. Ein alter Mann flechtete am Straßenrand diese Palmenblätter.

DSCN8518klein

Sie werden bei Hütten hauptsächlich für die Dächer benutzt.

Es schien so, als ob Sansibar ein einziges Genussradeln werden würde. Ich hatte relativ kurze Strecken, schöne Strände und viel Natur.

Kizimkazi ist ein kleiner Fischerort ganz im Süden der Insel.

DSCN8525klein

Daneben gab es mehrere kleine Lodges. Es war nichts los.

Neben dem „Erdziegel-Haus“ (Superadobe-Earthbag domes) von Laura konnte ich mein Zelt aufstellen.

DSCN8529klein

Zelten ist auf Sansibar eigentlich nicht erlaubt. Ich hatte auch überhaupt keine Camping-Plätze gesehen.

Neben den kleinen, intakten Lodges, gibt es mehrere große Anlagen, die anscheinend nie geöffnet waren.

DSCN8540klein

Zum Beispiel das „Dolphine View Paradise“, wunderbar angelegt, Cottages, wo man sah, hier wurde richtig Geld investiert. Jetzt war alles am Verfall. Dabei war es wunderschön.

DSCN8543jkein

Für mich war es eines der ersten Zeichen, dass auch hier nicht alles nur Sonnenschein ist.

Ein einheimisches Paar, das hier Aufseher war, führte uns herum.

DSCN8550klein

Ich habe verschiedene Gründe für diesen Verfall gehört. Von Fehlinvestition, Streit zwischen den Partnern und so weiter. Es gab noch viele solcher Beispiele.

Für mich ist es einfach mein Zelt wieder abzubrechen und weiter zu ziehen, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen.

 

DSCN8553kleon

Hier war wirklich Genussradeln angesagt. Ebene, leere gute Straßen, Natur, Sonnenschein, was braucht man mehr.

DSCN8558klein

Immer wieder schöne Strände. Der Indische Ozean hat auch die richtige Temperatur. Zum Schwimmen musste ich allerdings immer die Flut abwarten. Nichtschwimmer haben es hier leicht, es ist nicht tief. Es gibt auch keine Krokodile, Haie, Quallen oder sonstige unangenehme Tiere.

Über Makunduchi ging es nach Jambiani. Hier war nicht mehr viel vom Fischerdorf zu sehen. Auch hier waren die meisten Hotels leerstehend. Es gibt aber eine Kitesurf-Schule, die so manche Touristen anzieht. Ein Hostel hatte tatsächlich Gäste.

Bei Roswitha im Music-Café hörte ich mehrere Informationen über Sansibar. Es ist einfach zu teuer, darum kommen kaum mehr Touristen. Der Staat setzt auf alles, vor allem Übernachtungen mit zu viel Steuern. Viele Einheimische haben ihr Äckerchen aufgegeben um Restaurants oder Guesthouses zu bauen. Nun haben sie nichts mehr. Armut und Einbrüche sind das Ergebnis.

In einem privaten Garten unter einem spektakulären Baumhaus zelten.

DSCN8563klein

 

In Makunduchi fand das Mwaka Kogwa Festival statt.

DSCN8564klein

Es ist das Persische Neujahr, ein Relikt der Geschichte Sansibars.

DSCN8565klein

Als Außenstehende war es sehr merkwürdig. Frauengruppen und Männergruppen rennen im Kreis und schreien anscheinend all die Dinge von sich, die sie im letzten Jahr besonders genervt hatten. Manche Männer waren als Frauen verkleidet.

DSCN8579klein

Dann fingen die Männer an mit langen dicken Pflanzenstengeln aufeinander einzudreschen. Jetzt wurde mir klar, warum das ganze gleich hinter dem Krankenhaus stattfand.

 

DSCN8592klein

Um 14 Uhr war dann vorerst Schluss. Es sollte am Abend weitergehen. Irgendwie war ich enttäuscht, hätte mehr „Kultur“ erwartet. Es war der erste Tag von drei. Am Abend sollte es Musik und Tanz geben, aber sehr alkoholisiert und nicht ganz ungefährlich.

Ich fuhr lieber schön ruhig an der Ostküste weiter Richtung Norden.

Mein nächstes Ziel: Kiwengwa.

DSCN8604klein

Hier gab es sogar ein paar Touristen.

Ich durfte bei Peter in seiner Sipano Beach lodge übernachten.

DSCN8607klein

Hier war es richtig schön angenehm. Nicht zu viel, aber auch nicht gar nichts los.

Den Norden musste ich natürlich auch noch erkunden. Auf dem Weg dorthin stand ein Zeuge der Geschichte Sansibars.

DSCN8610klein

Wahrscheinlich die schrecklichsten Gebäude in ganz Afrika. In Makunduchi stand das gleiche. Diese Plattenbauten waren Geschenke aus der DDR. Nach dem britischen Protektorat war Sansibar 1964 kurz „Volksrepublik Sansibar“, bevor es sich mit Tanganjika zu TanSania zusammenschloss. Heute ist es fast autonom. (soweit ich weiß, haben sie mit dem Festland das Militär gemeinsam).

Ganz oben im Norden ist die Haupttouristenhochburg Nungwi.

DSCN8620klein

Allein das Schild sagte schon einiges über den Ort aus. Eigentlich ist es nicht nur ihre Kultur, dass man nicht in Badekleidung im Ort herumläuft, auch Männer sollten nicht „oben ohne“ erscheinen. Es gehört sich nirgends!

Ich habe mich immer gewundert, was die vielen Massais hier wollen. Sie sind eigentlich Hirten. Aber Kühe haben sie keine.

DSCN8622klein

Mir wurde gesagt, früher wollten die weißen Touristinnen Rasta-Männer, heute sind es Masais. Da muss nur einer mit einer Weißen viel Geld gemacht haben, dann kommen gleich hunderte nach und wollen auch schnell reich werden. Ein weiteres Problem von Sansibar.

Es gibt auch so ein paar Kühe am Strand

DSCN8624klein

Hinter den Shushi-Bars, Nobelhotels und Casinos, sind die Herbergen der Einheimischen, die es nicht geschafft haben.

DSCN8628klein

Wie überall: Geld zieht viele Leute an, die auch einen Teil davon haben wollen. Aber nur ein Bruchteil bekommt was, der Großteil bleibt auf der Strecke. Im Endeffekt wirkt sich der Tourismus für ein Land nicht positiv aus.

DSCN8634klein

Die Ziegen freuen sich an den Müllbergen daneben.

Nach einer halben Stunde musste ich wieder fort. Das war definitiv nicht mein Ort.

Noch eine Nacht war ich in der Sipano Beach Lodge.

Dann ging es wieder zurück nach Stone Town.

DSCN8639klein

Bevor es abends auf die Fähre ging, gönnte ich mir noch eine Portion „Chipsies“

Von Sansibar nach Dar-es-Salaam ging die Flying Horse Fähre abends um 21 Uhr. Wahrscheinlich, weil sie über Nacht nicht im Hafen sein durfte, übernachtete sie auf See und kam morgens um 6 Uhr in Dar-Es-Salaam an. Für mich war es sehr praktisch. Ich konnte gut auf der Fähre schlafen.

Sansibar war zum Fahrradfahren ein Traum und ich kann es nur empfehlen. Es ist nur etwas teuer.

Hier konnte ich mir das erste Mal vorstellen, Fahrrad-Tour-Guide zu sein. Es gab kaum Gründe, weswegen Kunden sich beklagen könnten. Leere, gute Straßen, eben, kurze Abschnitte bis zur nächsten guten Übernachtung, gutes Essen, schöne Strände. Was braucht man mehr? Also, falls jemand Interesse hat, bitte melden 😉 .

Wie es auf dem Festland weiterging kommt das nächste Mal

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.