Radfahren im Elsass in Zeiten von Covid-19 / Corona Teil 1


Radfahren im Elsass in Zeiten von Covid-19 / Corona

Warmfahren

Vor über einem Jahr fuhr ich den ersten Teil meiner Version des TMV “The Traversée du Massif Vosgien” die Mountainbike-Strecke über die Gipfel der Vogesen. 

Niemals hätte ich gedacht, dass so viel Zeit vergehen würde, bis ich wieder ins Elsass und in die Vogesen kann. 

So, wie sich die Dinge mit Covid-19 entwickeln, habe ich mich gleich bei der nächsten Gelegenheit aufgemacht, um den weiteren Teil zu fahren. 

Die Vogesen sind gerade auf der anderen Seite des Rheins – aber halt schon Ausland. Es fühlt sich eher an, weg zu sein, als wenn ich “nur” im Schwarzwald herum fahre. 

Schön gemächlich fuhr ich mit dem Fahrrad über das Ried nach Strasbourg auf den Bahnhof. Dank der Corona-Beschränkungen blieb meine Kondition etwas auf der Strecke. 

über das Riet und entlang des Altrheins nach Strasbourg

Die Ebene war hervorragend zum Warmradeln. Apropos warm, es war eigentlich schon recht heiß. 

Diesmal nahm ich den Zug von Strasbourg nach Saverne. Als ich an Ostern 2019 den Track dort abgebrochen hatte, fuhr ich auf dem Radweg entlang des Rhein-Marne-Kanals. Es war schön, aber nicht so spannend, dass ich es nochmals fahren wollte. 

Ab in die Berge

Es war richtig heiß, als ich an meinem neuen Startpunkt ankam. Kaum ein Mensch war in dieser Hitze auf der Straße zu sehen. Ich machte mich gleich auf den Weg. Von Saverne, das auf etwa 200 Höhenmetern liegt, ging es auch gleich kräftig nach oben. 

Den ersten Einstieg zum Track habe ich nicht gefunden. Fast parallel lief eine wunderbar leere kleine Straße. Leider gab es zuerst nicht allzu viel Schatten. Mir lief der Schweiß in Bächen von der Stirn. Ich kam mir mal wieder vor wie eine Sprinkleranlage. Alles was ich oben reinschüttete kam aus den Poren wieder raus.  

Jeden Schatten nutzte ich, um anzuhalten und die Geschwindigkeit meines Pulses etwas herabzusenken.

Auch das hatte irgendwann mal ein Ende. Endlich Wald und etwas eben. 

Schweiß, Dreck und Sonnencreme gaben eine wunderbare Panade auf die Beine. Mein Wunsch, mal wieder wild zu zelten, wurde durch den Wunsch einer Dusche ersetzt. Aber wo? 

Wie erfreut war ich, als ich in Wangenbourg-Engenthal ein Schild zu einem Zeltplatz sah. 

Vogesen
„outdoor kitchen“

Es war noch ein richtiger Zeltplatz, mit richtigen Zelten, kein riesiger Parkplatz für Wohnmobile. Schön klein, ruhig und sauber. Hier konnte ich es sehr gut aushalten, vor allem nach meiner wohltuenden Dusche. 

Vogesen
einfach sitzen und genießen

Es war fast wie wildzelten. Aber halt nur fast. Ich war fast allein, fast in der freien Natur, konnte mich fast so gut mit der Umgebung verbinden, konnte fast so gut den Vöglen lauschen und die Sonne versinken sehen. Aber ich war geduscht 😉 

Gestern hatte ich zwar schon viel an Höhe gewonnen, aber noch nicht genug. 

Je südlicher man kommt, desto höher die Berge – und tiefer die Täler. 

Oh Täler weit, oh Höhen trallala

Immer noch war es heiß und windig. 

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Schöne, kleine und leere Straßen. Keine Ansteckungsgefahr weit und breit

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Auch heute wollte ich einen Camping. In Le Hohwald gibt es einen Camping Minicipal. Nur hatte der geschlossen, wegen Corona. Es war erst 16 Uhr, als ich dort angekommen bin, genug Zeit mir eine Alternative zu überlegen. 

Ein Radlerpaar, wesentlich jünger als ich, schick ausstaffiert mit neuen Rädern und “Bikepacking” Taschen, kam. Rein optisch gibt mein Fahrrad inklusive Ausrüstung nicht viel her, wenigstens für Leute, die sich nicht auskennen. Es ist ja auch schon älter und sehr weit gereist. 

Ich sah allerdings noch keinen Grund, mich von meinen “normalen” Packtaschen zu trennen. Etwas enttäuscht war ich allerdings schon, dass sie so gar kein Interesse an Kommunikation hatten, auch später nicht, als ich sie noch ein paar mal traf. 

Ich fuhr nämlich weiter, jetzt wirklich auf der original TMV-Strecke. Bis auf den Anfang kurz nach Le Hohwald, wo noch Waldarbeiter zugange waren, war es sehr schön zu fahren. Es gab auch ein paar wunderbare Plätze im Wald mit schöner Aussicht, gut zum Wildzelten. 

Es war heiß und windig – richtiges Waldbrandgefahrwetter. Weder wollte ich Täter noch Opfer sein – kein Wildzelten! Über den Berg fuhr ich in ein kleines Tal, in ein Dorf, wo es auch ein Camping geben soll. Ich war hungrig, durstig und müde. Ich bin doch wieder wesentlich länger gefahren, als ich eigentlich wollte. Glücklich habe ich den Bauernhof gefunden, der eine Wiese zum Campingplatz umfunktioniert hat. Noch glücklicher war ich, als ich all die Mirabellen unter den Bäumen sah. Der größte Hunger und Durst war schnell gestillt. 

Die touristische Seite des Elsass

Nächsten Morgen regen! Keine Sperenzchen heute, überhaupt nach den vielen Höhenmetern von gestern.  

Das Elsass hat einiges an Fahrradrouten zu bieten. Auf der Seite „Alsace en Velo“ kann man sich einen Überblick verschaffen. Es gibt immer Ausweichmöglichkeiten, einfach fantastisch!

Zuerst die  “Véloroute de la Vallée de Villé” 

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Auf der “Véloroute du Vignoble d’Alsace” an Sélestat vorbei.

Dieser Milan ist wohl ein “Lockvogel” der Greifvogelwarte Adlerburg

Dieser Milan ist echt lebendig

Mich interessierten allerdings mehr die mittelalterlichen Dörfer entlang der Véloroute “BL522”. 

Zuerst Ribeauville. 

Lecker
Schön bunt hier
auf jedem Berg thront eine Burg

Es ist ja eigentlich nur über dem Rhein, aber doch eine ganz andere Welt. 

Am Anfang von Corona/Covid-19 war das Elsaß ein großer Hotspot, das zur Schließung der Grenze führte. Die Franzosen waren wirklich bedauernswert. Sie mussten über Wochen daheim bleiben, durften nur zum Arzt oder Einkaufen raus. 

Die Touristen halten sich immer noch fern. In den Städten ist auch bei schönstem Wetter kaum etwas los. Maskenpflicht gibt es nur in den Läden. In größeren Städten, wo mehrere Menschen aufeinander treffen und auf Märkten auch außen. 

Für die Hotels, Restaurants und Geschäfte natürlich sehr von Nachteil, ich muss zugeben, ich genoss die Ruhe. 

Nach Ribeauville kam Riquewihr, das nächste schmucke Nest.

Sollte ich auch in Zukunft auf das Pferd umsteigen? Sie macht ja eine recht gute Figur. 

Riquewihr gehört zu den schönsten Dörfer Frankreichs, da die Häuser aus dem 16. Jahrhundert noch fast erhalten sind. 

immer diese Verlockungen
Kopfsteinpflaster, das sich noch die Mauer hochzieht
In den Hinterhöfen

Beide Städte liegen, wie sollte es auch anders sein, in den Weinbergen.

Der Radweg nach Turckheim und Wintzenheim hat ausnahmsweise mal keine Bezeichnung, ist aber trotzdem sehr schön. 

Von Wintzenheim wollte ich eigentlich auf der “Véloroute de la Vallée de Munster” fahren, blieb dann aber doch auf der anderen Seite der Fecht, auf der Straße. Irgendwie habe ich geahnt, dass meine Motivation nicht dazu ausreicht, noch bis nach Mittlach und über verschiedene Cols ins Tal der Thur zu fahren. Das heißt, ich muss wieder zurück. Aber nach Munster, wo der Stinke-Käse ( 😉 ) herkommt, wollte ich schon noch. Die Straße war nicht sehr angenehm zu fahren, am Samstagabend war doch einiges los.

Nach Riquewihr und Ribeauville war ich von Munster etwas enttäuscht. Am Ortseingang die Käsefabrik und ein Campingplatz – wieder mehr für motorisierte Camper. 

Das einzig wirklich Alte in der Stadt ist wahrscheinlich die Kirche. Ansonsten hat es breite Straßen und viel Verkehr. 

Ich fuhr noch ein Stück weiter, auf die andere Seite des Flusses Fecht und auf dem Radweg zurück nach Gunsbach. Der Ort hat eine Attraktion und das ist Albert Schweitzer. Er wuchs hier in Gunsbach auf. In seinem Haus ist heute die Internationale Albert Schweitzer Stiftung. 

Auf meiner Afrika-Umrundung war ich im Albert Schweitzer Museum in Lambarene, Gabun, wo sein Urwaldkrankenhaus war. So schließt sich wieder der Kreis. Für mich ist es erstaunlicher, wie er damals, vor dem ersten Weltkrieg, diese Reise unternehmen konnte, als dass ich die ganze Strecke mit dem Fahrrad gefahren bin. 

Gunsbach hat auch einen wunderschönen Campingplatz. Er ist zwar relativ groß, aber wahrscheinlich auch wegen Corona sehr leer. Riesige alte Bäume spendeten genug Schatten. Am Platz vorbei plätscherte die Fecht. 

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Der letzter Tag meiner Tour

Auch ein Grund, weswegen ich nicht über einen Pass und weiter fahren wollte, war, dass ich nun am Stück, ohne Zug wieder zurück nach Lahr fahren konnte. Auf der ganzen Strecke Richtung Süden hatte ich Gegenwind, da wäre ich ja dumm, wenn ich mich Richtung Norden in den Zug setzen würde. 

Außerdem wohnte ich immer wieder in der Gegend und war noch nie wirklich in Colmar. Das wollte ich jetzt ändern. 

Auf der Véloroute de la Vallée de Munster war ich ruckzuck in Colmar. Ich wäre besser den Radweg zweimal gefahren, als einmal auf der Straße. Er ist wirklich wunderschöne, entlang von Wäldern und Wiesen. 

In Colmar bin ich dem Schild “Stadtmitte” gefolgt und stand gleich vor dem “Museum unter den Linden”.

“Eine kleine Pause zum Wohlsein”, dem Aufruf komme ich doch gerne nach, vor allem hier. 

Museum unter den Linden von hinten.

Von Corona ist hier nicht viel zu bemerken. Es ist ja das erste Mal, dass ich hier war, ich weiß ja nicht wie voll es sonst ist. 

Auch Colmar ist eine mittelalterliche Stadt, viel größer als die anderen beiden kleinen Dörfer. 

Ich würde sie als die Hauptstadt des kulinarischen Hochgenusses bezeichnen. Viele Weinhandlungen, Schokoladenmuseum, Patisserie, Brasserie… you name it. Was braucht man mehr? 

reiche Auswahl …
…und noch mehr zu essen
Bühendes Colmar

Ein prima Platz, um sich durchzufuttern. 

Auf dem Weg Richtung Rhein, entlang des Canals, konnte ich es wieder abstrampeln (“Véloroute du canal de Colmar”). 

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Er ist schön einfach zu fahren. Für einen sonnigen Sonntagnachmittag war erstaunlich wenig los. 

Bei Artzenheim trifft er auf den nächsten Radweg entlang des “Canal du Rhône au Rhin”. 

Schön, aber nicht sehr abwechslungsreich. 

Das Restaurant “La Coccinelle” war eine wunderbare Einladung für eine Pause. Das Café war wie zu erwarten total überfüllt. Als willkommene Ausweichmöglichkeit stehen für Radler Liegebänke zur Verfügung

geniale Liegebänke am Café Coccinelle…
…direkt am Kanal

Nach weiteren 20 Kilometern ruhig am Kanal entlang, bog ich zur Fähre nach Rhinau ab. Dass die ersten paar Kilometer auf der Landstraße waren, störte mich überhaupt nicht, es war eine willkommene Abwechslung. Bald standen mir auch hier schöne, neue Radwege zur Verfügung. 

Nur noch über den Rhein und ich bin schon fast wieder zu Hause. 

Fähre zurück über den Rhein bei Rhinau

Vier Tage mal wieder raus, nur mit Zelt und Fahrrad, tat wirklich sehr gut. Raus aus allem, Reflektieren, Nachdenken, neue Kräfte sammeln, sich selbst wieder beweisen, Selbstbewusstsein stärken und damit neue Stärken aufbauen, die mich und mein neues Projekt weiterbringen. 

Mit Sicherheit vergeht nicht wieder so viel Zeit, bis ich wieder im Elsass bin. 

Ich würde mich freuen, von Euch zu hören, wenn Ihr weitere Informationen zum Radfahren im Elsass möchtet.

Falls Ihr mehr über meine neuen Projekte erfahren möchtet, schaut auf meiner Webseite dorothee-fleck.com vorbei.

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