E-Bike versus Muskelbike


Meinen Senf zu Andrea Freiermuths Artikel:

Sechs Mythen zum E-Bikereisen

Zuerst einmal möchte ich Andrea aka shebikerider alle Hochachtung für ihre Tour aussprechen. Ich hätte nicht den Wunsch, auf einer längeren Reise mich auf einen Akku (oder zwei) zu verlassen. Da verlasse ich mich doch lieber auf meine Muskeln.

Bei meinen Vorträgen werde ich immer wieder auf E-Bikes angesprochen. Meine Antwort darauf ist: Es ist leichter Wasser und Bananen (Antrieb für mich) als eine Steckdose zu finden.

Seit einer Woche bin ich nun trotzdem Besitzerin eines E-Bikes (MTB). Keine Frage, Andrea hat bei weitem mehr Erfahrung mit dem E-Bike, ich vielleicht ein bisschen mehr mit Reisen. Deswegen möchte ich hier auch ein bisschen beitragen.

zu  1. Ich kann auf Radreisen nicht garantieren, dass ich in nötigen Abständen an einer Steckdose vorbeikomme.

“Solange Du den Asphalt nicht verlässt”.

Es gibt verschiedene Arten von Radreisen. Mich hat der Asphalt sehr oft verlassen. Das waren dann die interessantesten Etappen.

Da ich auch sehr gerne wild zelte, sehe ich manchmal über mehrere Tage keine Steckdose. Ich muss sie auch nicht suchen, da ich mich davon nicht abhängig machen möchte. Und das nicht nur in Westafrika.

Natürlich musste ich gleich in den ersten Tagen mein E-Bike austesten. Keine Frage, es hat Spaß gemacht, Berge hoch zu düsen und Strecken zu fahren, für die ich bisher teilweise zu faul war.

Was mir aber nicht behagte war, dass ich am Ende des Tages immer im Auge behalten musste, wie weit ich in den verschiedenen Modi noch komme. Natürlich hatte ich ein Ladegerät dabei. Nur es mangelte an Steckdosen. Klar kam ich ab und zu an Häusern vorbei. Aber zu klingeln und fragen, ob ich den Akku meines Fahrrades laden kann? Nein, dazu hatte ich wirklich keine Lust.

War ja auch kein größeres Problem, ich war ja nicht weit weg von meinem Standort und konnte mit dem letzten Rest Akku wieder zurück kommen.

Für mich war klar, für die Ostertour nehme ich wieder das Muskelrad. Wunderschön ging es durch die Wälder in den Vogesen. Nach drei Tagen war mein Akku vom Smartphone alle. Schweren Herzens setzte ich mich in ein Café, um es wenigstens eine halbe Stunde (30%) zu laden. Ich wäre auch gut ohne Smartphone weiter gekommen.

Einen Akku fürs Fahrrad über 1-3 Stunden (volle Ladezeit bei mir ca 3,5 Std) dafür hätte ich absolut keine Geduld.

Dass Andrea zwischen Zürich und Dushanbe keine Probleme hatte Strom zu finden, wundert mich nicht. Die ehemaligen Sowjetländer sind gut ausgestattet. Sicherlich hätte sie zwischen Zürich und Luanda mehr Probleme. 

 

Vor allem sind die Afrikanischen Länder, was die Stecker betrifft, variabler. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie viele verschiedene Steckdosen, wenn überhaupt, ich vorgefunden hatte.

zu 2. Wenn ich die Etappenlänge der Akku-Kapazität anpasse, dann zwingt mich das unter Umständen in teure Quartiere.

Zwei Akkus und zwei Ladegeräte – um das zu schleppen braucht man wirklich einen Motor am Fahrrad. Ein Kilogramm Bananen sind leichter.

Dann musst Du eine Übernachtungsmöglichkeit finden, wo es auch noch Strom gibt und nicht gerade Stromausfall ist. Das gleiche für ein Restaurant zum Mittagessen.

Ich bin jetzt vielleicht ein bisschen speziell, aber egal wo ich bin, ob Afrika, Südamerika oder auch in China, gerate ich immer in Gegenden, wo es keinen Strom gibt und ich genieße es.

Die Hotels in westafrikanischen Ländern sind teuer. Einheimische gehen in den meisten Fällen nicht dorthin. Sie sind eigentlich nur für Geschäftsreisende und Expats. Wenn Du ein Günstiges findest, hat es mit Sicherheit keinen Strom.

zu 3. Ich kann mit einem E-Bike nicht fliegen, weil alle Airlines die Mitnahme bisher ablehnen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Schon zweimal kam ich über Land nach China, war beides Mal prima. Das erste Mal über die Mongolei. Da wollte ich auch keinen Akku laden müssen.

cycling Mongolia

zu 4. Wenn der Akku alle ist, dann ist er nur Ballast, der sich negativ auf die Gepäckmenge auswirkt.

Das verstehe ich nicht ganz. Mein Körper ist doch kein totes Tier 😉 , das braucht nur eine Banane, dann werden wieder neue Kräfte geweckt. Und was es auch auf der ganzen Welt gibt, ist Coca Cola. Eigentlich verpönenswert, aber es weckt den Stier in Dir 😉 So schnell ist kein Akku geladen.

zu 5. Der Fitnessaspekt des Radfahrens geht mir zu sehr verloren, wenn ich mir dauern von einem Motor helfen lasse. Das kommt mir vor wie Schummeln, obwohl ich mir mit inzwischen 69 Jahren bergauf oft etwas Unterstützung wünschte.

Da gebe ich Andrea voll recht. Der Trainingseffekt von E-Bikes wird unterschätzt. Das habe ich schon auf meinen wenigen Touren gemerkt. Der Motor unterstützt ja nur so viel, wie Du selbst pedalierst. Darum heißt es auch eigentlich nicht E-Bike, sondern Pedelec. Wenn Du nicht trittst, passiert nichts, außer Du hast eine Schiebehilfe. Bei wenigem Treten wird je nach Modus, aber immer noch weniger, unterstützt, als wenn Du schnell trittst. Darum auch immer schön gleichmäßig in einem kleineren Gang fahren.

Ich denke nicht, dass der Radius kleiner wird. Ich brauche halt länger. Na und? Nach den Tagen auf dem Pedelec habe ich es richtig genossen wieder gemächlich durch die Lande zu gondeln.

zu 6. Nicht überall auf der Welt ist die Stromspannung gleich. Das gibt doch sicher Probleme beim Laden.

So lange überhaupt der Strom Spannung hat, ist es ja nicht so schlimm 😉

Soweit meine Kommentare.

Für mich sind Freiheit und Abenteuer auf Radreisen wichtig. Mir reicht es, wenn ich wegen Computer oder Kamera eine Steckdose suchen muss. Ich möchte davon nicht mein Vorwärtskommen abhängig machen.

Nun freue ich mich, mit meinem E-Bike zu meinen Freunden düsen zu können, die haben Steckdosen und meist gutes Essen und Wein, wo ich mir die Zeit des Wartens, bis der Ladevorgang abgeschlossen ist, gut verbringen kann.

Für mich zeigt es mal wieder, dass jeder die Freiheit hat, nach seiner eigenen Façon zu leben und zu reisen. Hauptsache Ihr genießt es und habt eindrückliche Erlebnisse und viel Spaß.

Ich wünsche Andrea noch weiterhin gute Fahrt und immer einen vollen Akku.

Zum Abschluß noch ein Foto mit einer Aktion, die man auch mit einem E-Bike besser nicht macht

So, jetzt bin ich mal auf die Kommentare gespannt


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17 Gedanken zu “E-Bike versus Muskelbike

  • Peter

    Deiner Argumentation ist nichts hinzuzufügen.
    Bis Dushanbe mag es mit Pedelec noch gehen, der Rest des Pamirs hat oft genug Stromausfälle.
    Ansonsten verfolge ich Andrea und ihre Touren nicht.

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Vielen Dank, Peter, für Deinen Kommentar. Stimmt, das Pamir ist auch fernab von zuverlässiger Stromversorgung.

  • Andrea Freiermuth

    Super Gegenargumente Dorothee. Und Danke, dass du die Diskussion hier aufgenommen hast. Mit Afrika kenne ich mich ehrlich gesagt nicht aus. Vielleicht muss ich da meine Aussagen in Sachen Unterkunft und Stromversorgung tatsächlich zurücknehmen. Auch ist das E-Bike sicher nicht für alle was, aber mein Ziel ist es auch, jenen Leuten Mut zu machen, die sich nicht mehr fit genug für die grosse Reise mit dem konventionellen Bike fühlen.

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Vielen Dank, Andrea. Es kommt halt darauf an, was für eine Reise man machen möchte. Jede so wie sie möchte, mit und ohne Motor. Dir noch eine gute Reise.

  • Felix A. Ihlefeld

    Danke, dass du meine Skepsis aufgenommen hast. Mit . „Wenn der Akku alle ist, dann ist er nur Ballast, der sich negativ auf die Gepäckmenge auswirkt“ meinte ich, dass ich eine bgerenzte Lastenkapazität habe und deswegen darauf achte, dass Dinge nicht zu schwer sind. Was ich an „totem“ weil leerem Akkugewicht hätte, ist eben einfach mehr als ich dabei haben will.

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Danke Felix, für die Klarstellung. Ich hatte ja Deine Befürchtungen, Argumente nicht direkt, sondern nur Andreas antworten.
      Ein leerer Akku wäre für mich viel mehr als nur toter Ballast. Ich würde mich nur nerven. Am Wochenende war ich mal wieder, weil längere Strecke, mit E unterwegs. Unglaublich wie ein Gegenwind sich auf die Akku-Reichweite auswirkt. 😉

  • Laura Fehlmann

    Liebe Dorothée,
    als E-Bike-Hasserin habe ich mit Interesse Deinen Text gelesen. Ich setze auch lieber auf meine Muskeln und empfände ein E-Bike buchstäblich als Last, erst recht mit Akkus und Steckdosensuche. Nächste Woche starte ich mit 2 Freunden mit den Velos für 4 Monate nach Russland. Der erste Teil unserer Route führt über Steigungen und schlechte Strassen, wir zelten wild und hätten kaum Gelegenheit, Akkus zu laden. Allein schon mit dem Handy wird’s Probleme geben. Zum Hass auf E-Bikes: Leider mache ich oft die Erfahrung, dass die Fahrer schneller E-Bikes sich rücksichtslos und unfreundlich verhalten. Trotzdem viel Spass mit dem E-MTB.

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Liebe Laura, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich selbst habe nicht so starke Gefühle gegenüber dem E-Bike. Überhaupt seit ich selbst eines habe, hat sich einiges relativiert. Auf Reisen geht es natürlich gar nicht. In den russischen Wäldern gibt es keine Steckdose, erstaunlicherweise hatte ich meistens sehr gutes Internet.
      Natürlich bin ich auch auf dem E-Bike meist sehr rücksichtsvoll und freundlich 😉

  • Laura Fehlmann

    Liebe Andrea,
    Leute, die zu wenig fit sind für ein Muskelvelo sind auch nicht unbedingt fit genug, mit einem E-Bike umzugehen: schwer, langer Bremsweg, technisch anspruchsvoll. Mir wird manchmal himmelangst, wenn ich gewisse Leute mit dem E-Bike herumschwenken sehe!

  • Fritz

    Hallo Frau Fleck,

    ich bin derjenige, der nach einem Fahrradtraining für seine Frau heute nachfragte.

    Nachdem ich mich ein wenig auf Ihrer Seite umgesehen habe, darf ich den vor Ihnen Hut ziehen, ich kannte bislang nur Bettina Selby und ihre tollen Touren, aber es gibt offenbar noch mehr Frauen mit Ausdauer, Mumm und Luxusverzicht, so wie es mir (auch ein bischen Rumtreiber in der Welt, in 8 Monaten ein häufigerer Rumtreiber) auch gut gefällt.

    Auch Ihren Artikel über pro / contra E-Biking fand ich gut. Ich bin auch vom Radeln ohne Motor überzeugt, solange man die Gedult in sich nicht verliert. Also weiter so für Sie und Ihr Fahrrad (Evans?) und bis ein andermal.

    Liebe Grüße aus Bad Krozingen

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Vielen Dank, Herr Tesch. Mein Reiserad ist ein Velotraum, das werden Sie im September dann sehen. Im August darf es mal wieder ein bisschen raus 😉

      Liebe Grüße aus Lahr,

  • Gretl Hendricks

    Interessant, das du mit dem E-Bike nicht fliegen konntest. es wäre auch mein Traum mal mit so einem elektrischen Fahrradrad an einem exotischen Ort zu fahren. Vielleicht geht dieser Traum in der Zukunft noch in Erfüllung.

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Hallo Gretl,

      ich habe nicht versucht mit E-Bike zu fliegen, da ich nicht mit einem E-Bike reise. Manche Fluggesellschaften nehmen E-Bikes mit, Du musst aber der Akku da lassen. Diese gelten als Gefahrgut und müssen deswegen zu Hause bleiben. 😉

      Liebe Grüße,
      Dorothee

  • Katrin Eichhoff

    Liebe Doro, auch wenn ich keine Fernreisen bestreite, stimme ich Dir voll und ganz zu. Ich zocke ohne E die Berge hoch, meinen Hundeanhänger hinter mir her ziehend. Wenn es zu steil wird, schiebe ich halt. Na und?
    Auch ich campe wild (im VW Bus) und hätte gar keine Möglichkeit, einen Aku zu laden. Und …. ich wünsche mir, dass das noch eine Weile so bleibt. Herzliche Grüße von der Messebekanntschaft. Katrin mit radlhund

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Liebe Katrin, vielen Dank für Deinen Kommentar und schön von Dir zu hören. Da von meinen acht Fahrrädern nur eines mit Motor ist, ist meine „Bio“-Zukunft gesichert 😉 . Trotzdem nehme ich heute das E-Bike, da ich kein Auto habe, für die 30 Kilometer zu meinen Freunden.
      Ich wünsche Dir weiterhin viele „ohne-E-Radlhund-kilometer“
      Viele Grüße Dorothee