Schottische Nordküste und Highlands


Schottische Nordküste und Highlands

Regen, Stechfliegen und Hochlandrinder

Inzwischen war ich ganz im Norden von Schottland angelangt. Die Äußeren Hebriden hatten mir schon sehr gefallen. Außer auf den bergigen Inseln im Norden wurde ich sogar vom Regen verschont. Wie ging es auf dem Festland weiter?

Von Ullanpool an die Nordküste

Während der Überfahrt von Stornoway auf der Insel Harris and Lewis nach Ullanpool auf dem Festland, schien wunderbar die Sonne. Regen hätte mir gerade da eigentlich nichts ausgemacht, ich saß ja sowieso im Trockenen. Dafür war die See ruhig, die Wasseroberfläche wie ein Spiegel. Das hat mich vor wiederholten Unannehmlichkeiten bewahrt.

Der Niederschlag kam erst, als wir in Ullanpool mit Verspätung ankamen. Unentschlossen fuhr ich die Straßen auf und ab, bis ich leicht frustriert doch auf den Campingplatz ging.

Zum Trost holte ich mir eine Flasche Wein und Chips. An Kochen war bei dem Niederschlag nicht zu denken.

Regen und Sturm ist nicht gerade das, was mich am Morgen animiert aufzustehen.

Es gehört viel Überwindung dazu, um trotz des Regens, der immer noch herab prasselte, das Zelt zu verlassen.

Aber was wäre die Alternative? Auf jeden Fall eine langweiligere.

Nach dem zweiten Hügel ließ der Regen langsam nach. Im ersten Dorf gab es einen Tearoom. Mit der Hoffnung auf Kaffee hielt ich an. Ein anderer Radler, der zuvor grußlos an mir vorbei fuhr, war auch schon da. Ich fragte, ob ich mich zu ihm setzen könnte. Zuerst schaute er etwas irritiert, dann taute er langsam auf. Er möchte die ganze Küstenlinie Europas abfahren. Das macht er in seinem Urlaub Stück für Stück, seit 22 Jahren. In drei bis vier Jahren ist er fertig. 22 Jahre!

Ich aß eine prima Gemüsesuppe mit dem besten Brot, das ich in Großbritannien bekam. Selbst gebacken. Die netten Köchinnen haben sich sehr über mein Lob gefreut.

Weiter ging es über Hügel und an Seen vorbei

Schwarze Wolken hingen bedrohlich tief. Sie passen gut zu der wilden, schottischen Landschaft, wie die alten Burgen. Weiterer Regen blieb mir zum Glück erspart.

Anscheinend ist es hier ab und zu sehr windig. Baumstämme liegen wie Mikadostäbchen herum.

Am Abend erreichte ich Scourie. Die heiße Dusche auf dem Campingplatz war ein Genuss. Dann ging bald die kalte Dusche, der Regen, wieder los. Dabei hatte ich mich so auf ein Essen an dem Tisch an meinem Platz gefreut. Nun stand er unter Wasser.

Außer weiteren Bergen und noch mehr Regen kam bis Durness nicht viel.

Traumhafte endlose Weite.

Entlang der Nordküste nach John O’Groats

In Durness gab es wieder einen Supermarkt. Eigentlich sollten die beleibten Leute hier ein Zeichen sein, dass ich mich lieber von den Würstchen in Blätterteig und Ähnlichem fern halten sollte. Trotzdem aß ich wieder ein Sausage Roll dazu und ein Snickers. Ein Cappuccino musste natürlich auch sein. Aber bevor meine Körperzellen

merkten, da kommt Zucker und Fett, hatten meine Muskeln alles schon verarbeitet.

Nun war ich ganz an der zerklüfteten Nordküste.

Östlich von Durness ist mal wieder ein Highlight, die Smoo Höhle. Über Jahrtausende hat der Fluss eine Höhle in das Karstgestein gegraben.

Nachdem es so viel geregnet hatte, konnte schön viel Wasser durch das Loch in die Höhle fallen.

Hier oben ist man den Elementen komplett ausgeliefert. Keine Schutzhütte oder sonst ein Dach.

Der Wind peitschte den Regen so richtig um meine Ohren. Vor allem, als ich Richtung Süden ganz um den Loch Eriboll musste. Meine einzige Hoffnung war: Wenn ich jetzt Gegenwind habe, muss ich nachher auf der anderen Seite des Sees Richtung Norden, Rückenwind haben. Was dann auch tatsächlich eintraf. Und der Regen hörte auf. Radfahren war direkt mal wieder ein Genuss.

Das größte Abenteuer erwartete mich am Abend.

Oberhalb vom Loch Hope fand ich ein fantastisches Plätzchen zum Zelte

Ruhig, schöne Aussicht, kein Regen, kein Wind – richtig idyllisch. Leider dauerte es nicht lange an.  Ich hatte gerade mein Süppchen gekocht, als ein Schwarm Stechfliegen (Midgies) über mich herfiel. Auf einmal war alles schwarz. Sogar meine Suppe hatte einen schwarzen Belag, richtig eklig. Mir blieb nur die Flucht ins Zelt. Aber irgendwie gelangten sie auch dort hinein.

Wenigstens ließen sie mich innen in Ruhe. Sie wollten lieber wieder nach außen. Trotzdem – ich mag keine Mitbewohner in meinem Zelt!

Am nächsten Morgen warten auf den Wind, der die Mücken wegwehte. Der Regen scheint Ihnen sehr wenig ausmachen.

Dann schnell frühstücken, zusammenpacken und los. War das eine Wohltat, den Berg hinab zu fahren, frei von den Stechmücken. Bergauf waren sie dann wieder meine treuen Begleiter. An Anhalten und Fotos zu machen war nicht zu denken.

Für die Nacht suchte ich mir lieber wieder einen Campingplatz mit mückenfreier Toilette inklusive Waschraum.

Sonntags kam ich am nordöstlichsten Eck an, in John O’Groats. Die bunten Häuser waren schon von weitem sichtbar.

 

Sehr verwundert war ich über die vielen parkenden Autos und der großen Anzahl von Menschen am Hafen. Es war “Harbour Day” – Hafenfest.

Eine prima Gelegenheit einen Einblick in die Schottische Kultur zu bekommen.

Neben Dudelsackmusik und Tanz, präsentierten die “stärksten Männer der Welt” einen Schaukampf – selbstverständlich auch im Schottenrock.

Die Ecke ist nicht nur das Ende der Großbritannischen Hauptinsel, sondern auch das Ende vieler Fahrrad- und Wanderwege. Die Radroute quer über die Insel von Lands End to John O’Groats endet hier.  

Am Abend kamen einige hier an, stolz und erfreut. Das Foto mit dem legendären Wegweiser durfte natürlich auch nicht fehlen.

Für mich war es noch lange nicht das Ende, nur der Wendepunkt. Ein gutes Bier habe ich dennoch verdient.

Von John O’Groats nach Inverness

Zum Glück gab es auch an der Ostküste Bushaltestellen.

Für eine trockene Stunde Mittagspause eignen sie sich prima.

Ansonsten gab es hier an der Küste entlang lange nicht viel.

Schließlich konnte man direkt von schönem Wetter reden. Geschlagene 20 Minuten fuhr ich sogar kurzärmelig!

Die Hochlandrinder sind immer gut eingepackt. Auch Fahrräder werden hier gut bestrickt.

Viele Buchten mussten umfahren werden. Einmal gab es eine winzige Fähre, von Nigg nach Cromarty.

Man sieht, ich nähere mich wieder der Zivilisation. So viel Bohrtürme stehen in der Bucht.

Vor Inverness konnte ich noch auf einen schönen Weg ausweichen.

Die führen meist über den Berg. Die großen Autostraßen gehen unten herum.

Inverness war ein großer Kontrast zu dem sonst so einsamen Schottland.

Diese Stadt birgt einige Schätze. Ganz begeistert war ich von dem riesigen second hand Buchladen  

Natürlich, bei den vielen Destillerien ist die Auswahl des Whiskeys in den Bars dementsprechend groß.

Ich bevorzugte das Eis “salted caramel”,

Als ich dann das “VeloCity” Café entdeckte, war ich leider schon pappsatt.

Wenn man die Geschichte von der Burg in Inverness verfolgt, stößt man auf Namen wie Maria Stuart und Macbeth.

Diese Burg, wie sie heute hoch über der Stadt thront, hat damit nichts zu tun. Sie wurde regelmäßig zerstört und wieder aufgebaut. Die Vergangenheit war offensichtlich sehr blutrünstig.

Jetzt fehlt nur noch das letzte Stück von Inverness nach Edinburgh. Seid gespannt auf nächstes Mal.

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