Die wilde Schönheit der Hebriden


Die wilde Schönheit der Äußeren Hebriden

Die Äußeren Hebriden, wo liegen die nochmal? Irgendwann hat man davon schon mal gehört. Aber kann man dort Radfahren? Na klar und zwar sehr gut.

Zur Lage: Da ich mich ja gerade in Schottland bewege, kann man leicht erraten, dass die Äußeren Hebriden sich auch dort befinden. Und zwar ist es eine Inselgruppe ganz im Nordwesten.

2016 wurde dem schon existierenden Wanderweg über alle Inseln der “Hebridean Way” für Radfahrer eröffnet. An der Anzahl der Fahrradfahrer, die mit mir auf der Fähre waren, merkte ich, bei den Briten ist er schon sehr bekannt und beliebt.

Vatersay und Barra

In Oban ging ich mit einigen anderen Radfahrern und Wanderern auf die Fähre. Hier im Süden ist die Überfahrt ganz schön lang und dann bei dem Wind, ich möchte lieber nicht erwähnen, wie es mir ging. Fünf bis sechs Stunden dauert die Überfahrt.

Als wir uns der Insel Barra näherten, eine der südlichen Inseln der Hebriden, sah ich, warum die Stadt Castle Bay heißt: inmitten der Bucht ist ein Schloss.

Wir sind hier in Schottland. Kaum ein Berg oder See ohne Schloss.

Bei stürmischem Wind und Nieselregen fuhren die Radfahrer los. Die meisten Fahrräder sah ich dann ein paar hundert Meter weiter vor einem Hostel stehen. Edwin, ein Wanderer meinte, am offiziellen Start des Hebridean Way, auf Vatersay, kann man am Gemeindezentrum zelten.

Die zwölf Kilometer waren zwar nicht sehr angenehm zu fahren. Es war immer noch sehr windig und regnerisch. Von der Landschaft war ich aber total begeistert. Und das Wetter gehörte irgendwie zu dieser wilden Schönheit dazu.

Die zwei Inseln Barra und Vatersay, die südlichste bewohnte Insel, liegen dicht beieinander und sind mit einem Damm verbunden.

Gerade noch rechtzeitig, bevor es wieder anfing zu schütten, hatte ich mein Zelt aufgestellt.

Gleich neben dem Startpunkt des „Hebridean Ways“, der ausgezeichneten Radroute über die Äußeren Hebriden. 

Bei erstaunlich schönem, aber sehr windigem Wetter, ging es am Morgen los. Vielleicht hätte ich doch die Tour besser planen sollen und die Inseln von Nord nach Süd zu durchfahren. Dann las ich in einer Broschüre des Hebridean Way, dass man von Süd nach Nord fahren soll, um von dem meist vorherrschenden Südwind zu profitieren.

Noch bläst er aus dem Norden direkt in mein Gesicht. Aber immerhin gab es die Hoffnung, dass er noch dreht.

Außer einem kurzen steilen Berg waren die beiden Inseln relativ flach mit wunderschönen, türkisfarbenen Buchten. Bei den Temperaturen waren die Strände komplett leer.

Die Inseln sind sehr klein. Auf Vatersay war die einspurige Straße nur ein paar Kilometer lang. Auf Barra waren es bis zur Fähre um die 20 Kilometer.

Einige Räder standen schon in Reih und Glied, bereit für die Fähre. Die Radler saßen noch in dem geschützten Warteraum bei Kaffee und Kuchen.

Eriksay und South Uist

Auf der anderen Seite, auf Eriksay, fuhren alle Radler gen Norden. Nur der Wind blies Richtung Süden.

Kurz über einen Hügel und schon war ich auf der Dammstraße zur nächsten Insel, South Uist.

Sehr eben ging es auf den typisch einspurigen Straßen. Hier waren mehr Kühe als Autos unterwegs.

Der ganze Hebridean Way ist auf geteerten Straßen, meist einspurig. Also sehr bequem und einfach zu fahren. Zur Abwechslung kann man ab und zu auf Feldwege ausweichen, sollte aber vorher checken, ob der Weg nicht irgendwo einfach an einer Bucht oder an einem See endet.

Meine Vermutung und Hoffnung wurde bestätigt: hier auf den Inseln der Äußeren Hebriden regnete es weniger, als auf dem Festland. Es ist hier so flach und windig, dass die Wolken darüber hinweg geblasen werden und erst an den Bergen auf dem Festland abregnen.

Benbecula, North Uist und Berneray

Den ganzen Tag blieb ich trocken. Erst am Abend, als ich diesen fantastischen Ort an der Küste fand, fing es wieder an.

So macht doch das Radfahren und Wildzelten einfach Spaß, wenn man mit solch einem Blick den Tag beginnen kann.

Je weiter nördlich ich kam, desto touristischer und bergig wurde es. Auf den einspurigen Straßen kann ist es für die Einheimischen sicher nicht einfach, wenn auf einmal viel mehr und größere Autos unterwegs sind. Ein Bauer, der noch einen richtigen Hof mit Schafen und Kühe hat, meinte, dieses Jahr wäre es besonders schlimm. Viele vom Kontinent haben die Inseln nun als Reiseziel entdeckt.

Ich bedankte mich, dass sie trotzdem noch so freundlich seien und hoffe, dass es auch noch weiterhin so bleibt.

Neben Farmland gibt es auch viel Moor. Hier wird noch der Torf gestochen.

Und dann war ich auch schon wieder um Benbecula herum und eine lange Dammstraße (Causeway) brachte mich nach North Uist.

Diese Konstrukte sind nur teilweise zweispurig. Manchmal gibt es nur kleine Ausweichbuchten.

Ich war immer froh, dass es nicht so sehr windete.

Auf North Uist ging es eigentlich genau so weiter wie auf Benbecula, eben und viele Moore. Einfach zu fahren und nicht sehr spannend.

Ich machte mir selbst eine Herausforderung, indem ich beschloss, die nächste Fähre zu erreichen. Da sich wirklich nicht viel tat und ich zur Abwechslung mehr Rücken- als Gegenwind hatte, machte es richtig Spaß, über die Insel zu rasen. Der Berg zum Schluss war etwas lästig, aber lieber nochmals durchstarten, als vier Stunden zu warten.

Dann noch über einen Damm nach Berneray und um die Bucht, wo der Hafen lag.

So kam ich gerade noch rechtzeitig dort an, konnte gleich auf die Fähre und endlich eine Stunde Mittagspause machen.

Auf der Fähre traf ich zwei Rennradler, die mich Stunden vorher überholt hatten und dafür Stunden auf die Fähre warten mussten. 😉

Harris und Lewis

Waren die südlichen Inseln eher flach, wurde es jetzt richtig bergig.

Zuerst ging es noch am Meer entlang, wunderbare Strände. Im Wasser tummelten sich sogar ein paar Surfer, dick in Neopren eingepackt.

Ich fragte einen Surfer, der gerade ankam, wie kalt denn das Wasser sei. “Ich weiß es noch nicht, ich war ja noch nicht drin. Aber man schläft sehr gut danach”. Mit dem Schlafen habe ich eigentlich auch keine Probleme 😉 überhaupt nach den Anstiegen, die folgten.

Auch oben auf den Bergen war nur Matsch und Moor, wenn es nicht Seen waren.

Eigentlich dachte ich, da würde das Wasser abfließen. So war es zum Zelten äußerst ungeeignet.

Auch nach dem zweiten Berg, nach Talbert, einer größeren Stadt, war die Suche nach einem Platz zum Zelten etwas schwierig. Entweder Morast oder Steilhang.

Schließlich fand ich einen kleinen Einschnitt in den Berg, wo es sogar windgeschützt war.

Mit den Bergen kam auch der Regen. Dafür wurde mir ein wunderschöner Regenbogen präsentiert.

 

Eigentlich dachte ich, da würde das Wasser abfließen. So war es zum Zelten äußerst ungeeignet.

Auch nach dem zweiten Berg, nach Talbert, einer größeren Stadt, war die Suche nach einem Platz zum Zelten etwas schwierig. Entweder Morast oder Steilhang.

Schließlich fand ich einen kleinen Einschnitt in den Berg, wo es sogar windgeschützt war.

Mit den Bergen kam auch der Regen. Dafür wurde mir ein wunderschöner Regenbogen präsentiert.

Vor allem die Abfahrten wollte ich nicht im Regen machen müssen.

Erst als wieder Zivilisation und somit geschützte Bushaltestellen kamen, fing der Regen an, aber richtig heftig und mit viel Wind. Ich fuhr von Wartehäuschen zu Wartehäuschen.

An der Abzweigung Richtung Westen, wohin ich eigentlich wollte, um ganz in den Norden zu kommen, entschied ich mich, doch gleich nach Stornoway zu fahren. Bei diesem Regen und dem Wind, der aus Osten kam, fiel mir die Entscheidung leicht.

Stornoway ist wahrscheinlich die größte Stadt auf den Hebriden. Hier gibt es wieder alles, sogar Ampeln. Zwei halbe Tage konnte ich mich etwas ausruhen, Wäsche waschen, Fahrrad richten und auch die Stadt anschauen.

Es ist auch immer wieder nett, “richtige” Reiseradler zu treffen.

Greg aus Kalifornien ist seit sieben Jahren unterwegs. Wir hatten noch genug Zeit auf der Fähre zurück auf das Festland, nach Ullapool über verschiedene Länder dieser Erde zu reden.

Diesmal dauerte die Überfahrt nur etwas über zwei Stunden. Ich habe sie gut überstanden.

Was mich außer weiterem Regen auf dem Festland erwartete, gibt es das nächste Mal.


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2 Gedanken zu “Die wilde Schönheit der Hebriden

  • Felix Ihlefeldt

    Angesichts vorhergrsagter Windstärken 6-7 hab ich voriges Jahr entschieden, doch nicht nach Oban abzubiegen, stattdessen am Loch Ness
    vorbei und am Ende auf die Orkneys. Sehr zu empfehlen vom Ulllapool bis John O’Groats zu fahren und von da überzusetzen. Siehe mein Blog.

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Hallo Felix, vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Meine Erfahrungen auf der Strecke von Ullapool nach John O’Groats kommt im nächsten Bericht.

      Viel Spaß,
      Dorothee