Litauen


Die Ostseeküste von Litauen und ein bisschen mehr

Nachdem ich so von Polen begeistert war, wie ging es nun in Litauen weiter?

Direkt an dem Dreiländereck Polen, Russland (Kaliningrad) und Litauen bog ich in den Wald ab. Somit hat es schon mal sehr abenteuerlich angefangen.

Auf sandigen Waldwegen ging es das erste Mal sehr steil auf und ab. Kurz aber knackig. Ich konnte nicht mehr alles fahren und musste schieben. Das war mir aber den Spaß Wert. Ich wusste, es kommt ja bald die geteerte Hauptstraße.

Am Sonntag war nicht viel los. Nur bog ich dann in eine Seitenstraße ab.

In Polen war ich immer verwundert, wie gut die Schotterstraßen sind, die es noch sehr häufig gibt. Aber sie waren sehr gut zu fahren. Hier war es der Horror. Wellblech ohne Ende.

Dazu zogen noch dunkle Wolken auf. Oh je, das bedeutete nichts Gutes. Noch auf der Schotterpiste hatte es angefangen zu regnen, dann hat es wenigstens nicht mehr so gestaubt.

Richtig schlimm wurde es vor Vilkaviskis.. Patschnass kam ich dort an und bog gleich am Ortseingang zum Campingplatz ab.

Anscheinend wurde ich nicht nur bezüglich der Straßen in Polen sehr verwöhnt, sondern auch was Zeltplätze anbelangt. Ich fand praktisch nur eine Wiese vor, die teilweise unter Wasser stand. Am Zaun war ein Waschbecken angebracht. Kein Dach, nichts. Ein Bauwagen, in dem vielleicht noch Duschen waren. Dafür verlangte der Herr 10 Euro (Ja ich war wieder im Euroland).

Ich lachte nur und drehte um. Dann meinte er 5 Euro. Das fand ich dann noch schlimmer. Das heißt ja, dass er zuerst versuchte, mich auszunehmen. Ich fuhr – in der Annahme es gäbe auf der anderen Seite des Sees nochmals einen – weiter.

Inzwischen hat es wenigstens nicht mehr geregnet. Ich konnte gut auf einem Track entlang des Sees fahren. Nur war das kein richtiger Zeltplatz, sondern eher ein Picknickplatz. Wenigstens hatte es hier überdachte Tische und Bänke und war wunderschön. Die Fischer ließen ihre Boote hier zu Wasser. Nur – ich hatte kein Wasser! Und mir war kalt!

Ich musste auf jeden Fall zurück in die Stadt. Und dann? Dann viel mir ein, heute wäre meiner Mutter ihr Geburtstag und ihr wäre es sicher nicht recht, wenn ich so leiden muss. Also gönnte ich mir ihr zu Ehren ein Hotelzimmer. Das war wirklich richtig luxuriös und ich habe den Aufenthalt dort sehr genossen.

Obwohl es Sonntag war, war der Supermarkt an der Ecke noch offen. Prima, dann kann ich mir ja auch noch ein Bier holen, dachte ich.

Als ich nun mit meiner Flasche und etwas zu essen an der Kasse stand, grinste mich der junge Mann vor mir an. Leider nicht wegen mir, sondern wegen der Flasche, auf die er zeigte und irgendwas in seiner Sprache zu mir sagte. Habe natürlich kein Wort verstanden. Als die Verkäuferin das sah, schnappte sie schnell das Bier und stellte es zur Seite. Wie bitte? Ich sehe doch nun wirklich älter als 18 Jahre aus. Schnell erklärte mir der Mann und die Verkäuferin zeigte mir ein Dokument, auf dem stand: Sonntags darf nur von 10 Uhr bis 15 Uhr Alkohol verkauft werden. Aha, wieder etwas gelernt. In einer Bar würde ich noch eines bekommen. Sonderbar.

In einigen Ländern habe ich so etwas schon erlebt, aber dann war der Alkohol abgesperrt oder verriegelt, dass man gar nicht auf die Idee kam, zuzugreifen. Eigentlich ist das nur in Ländern so, wo Alkohol ein Problem ist. Für mich ist es keines. Ich kann auch gut ohne mein Bier den Abend verbringen.

Immerhin habe ich somit auch erfahren, dass es in Litauen eine Stunde später ist, mittlerweile schon 20 Uhr.

War ich meiner Mutter über das Hotelzimmer dankbar! Es hatte die ganze Nacht geregnet, auch noch am Morgen, als ich losfuhr. Aber mit der Hoffnung, dass es bald wieder aufhören würde.

Hier ist noch viel mehr von Russland zu erkennen, als in Polen. Vor allem die alten Holzäuser.

Teilweise total runtergekommen. Auch Plattenbauten oder die orthodoxen Kirchen sind Überbleibsel der Sowjetunion.

Der Regen hörte tatsächlich irgendwann auf, nur der Verkehr war heute absolut schrecklich. Wegen der schlechten Erfahrung mit Schotterpisten und weil alles nass war, blieb ich heute hauptsächlich auf der Hauptstraße.

Da es über den Nemunas Fluss nur bei Jurbarkas eine Brücke gab, musste ich zu meinem Campingplatz einen großen Umweg fahren.

Vor der Brücke kam noch eine Tankstelle. Die junge Frau sprach erstaunlich gut Deutsch. Sie geht auch ab und zu als Altenpflegerin nach Deutschland.

Auf der anderen Seite des Flusses wurde der Verkehr zum Glück besser. Es wurde direkt schön hier zu fahren.

Der Campingplatz war jeden Kilometer Umweg wert. Wunderbar. Der Besitzer hat alles mit viel Liebe gebaut. Es gab alles, was ich wollte: Dusche, Küche wo ich sitzen und kochen konnte, Wifi, und sogar einen Radfahrer, Jack aus Holland, 70 Jahre. Es wurde mal wieder ein sehr langer, spaßiger Abend und das Wifi brauchte ich überhaupt nicht. Dafür bekam ich noch ein Bier.

Wir saßen bis ca. 22 Uhr in der Küche. Dass es die ganze Zeit regnete, merkten wir gar nicht. Als ich ins Zelt ging, war es das erste Mal ein bisschen dunkel.

Der Besitzer überzeugte mich, dass es viel besser und schöner ist, entlang des Flusses wieder zurück und so nach Kleipeda zu fahren. Eigentlich wollte ich gleich etwas nach Norden.

Und recht hatte er.

Am Fluss ging ein wunderbarer Fahrradweg entlang. Den hatte ich gestern gar nicht entdeckt.

Der Verkehr war wirklich nicht mehr so schlimm. Immer wieder tauchte so ein buntes Holzhaus auf.

Ab und zu gab es Radwege, die leider manchmal in einer Sackgasse endeten. 

Jack meinte, nach etwa 80 Kilometern komme ein Hotel, wo man zelten könne. Tatsächlich, das erste Schild kam ein paar Kilometer vorher, da war noch ein Zelt dabei. Dann nicht mehr. Ich bog trotzdem ab. Ich landete fast in einem Blumenbeet. Im Restaurant hatten alle Tische weiße Tischtücher und waren vornehm gedeckt. Das passte nun gar nicht zu meinem momentanen Outfit.

Ganz vorsichtig fragte ich nach, ob man hier auch zelten kann.

„Ja, Ja“,

„Und was kostet es?“

„Nichts!“

????

Das hätte ich jetzt nicht vermutet.

Nur am Anfang regnete es leicht. Ich konnte mich gut außen aufhalten.

 

Als ich später ein Bier wollte, legte sie mir die Speisekarte hin. Essen wollte ich eigentlich nichts. Aber als ich die Preise sah, konnte ich nicht widerstehen. Wo bekomme ich sonst ein Stückchen Huhn mit Salat, Gemüse und Pommes für 5 Euro? Das Bier gab es natürlich auch.

Ging es mir mal wieder gut.

Später baute ich mein Zelt ein wenig geschützt hinten im Garten auf.

Gut erholt nach dieser prima Nacht, fuhr ich am nächsten Tag weiter.

Nach Siluté konnte ich wieder auf den Euro Velo 10 Radweg abbiegen.

Auch wenn ich keine Schilder gesehen hätte, an der Anzahl der Radfahrer hätte ich es auch so gesehen.

Ganze Gruppen mit orangen Fahrradtaschen mit der Aufschrift „Baltic Biker Travels“ waren unterwegs.

Kein Wunder, dass sich so mancher fragt, wie ich mir so lange Radtouren leisten kann. Selbst hier in den verhältnismäßig teuren baltischen Staaten, wo ich mir sehr viele Campingplätze gegönnt habe, brauchte ich nicht einmal ein Zehntel, was sie pro Tag zahlen.

Hier wurde es auch wieder richtig schön idyllisch, schön zum Radfahren.

Die Landzunge Curonian Spit, südlich von Klaipeda sah ich nur von Weitem.

Auf der Festlandseite wird viel in Tourismus investiert, vor allem Kitesurfen floriert.

Die Baltik Bikers fuhren mit der Fähre auf die Landzunge und dort nach Norden. Das hätte ich auch machen sollen. Auf dieser Seite hatte ich die Wahl zwischen einem sandigen Weg oder vielbefahrener Straße.

Ich hätte ja ahnen können, dass die Hafenstadt Klaipeda etwas größer ist. Aber so groß?

Schnell fuhr ich durch.

 

Die Altstadt war ja mal wieder ganz nett. Aber noch besser war der Radweg nach Norden.

Das entschädigte mich wieder für Einiges.

Ein Schweizer Paar, das ich zuvor getroffen hatte, wollte ich auf einem Camping im Norden der Stadt wieder sehen. Kurz vor dem Kiosk holte ich mir an einem Kiosk noch mein Bier.

Es wurde ein längerer Abend. Zu meinem Bier kamen noch ein paar Gläser Wein. Wein, und dazu noch sehr guten, hatte ich auf dieser Reise eigentlich noch nie.

Als ich kurz vor Mitternacht zu meinem Zelt bin, hörte ich, irgendetwas Großes und Schweres fallen. Kurz überlegte ich mir, was das wohl hätte sein können, machte mir aber weiter keine Gedanken.

Im Zelt wollte ich die Anschrift von Marlis und Johann in mein Notizbuch legen. Uups, das fehlte ja! Und nicht nur das, auch mein Geldbeutel und Handy. Mist! Was nun?

Sofort bin ich raus und schaute nach. Zum Glück lag alles vor dem Zelt verstreut, nur aus meinem Geldbeutel fehlten die Euros. An den polnischen Slotis hatte der Dieb anscheinend kein Interesse.

Wahrscheinlich habe ich ihn überrascht als ich zum Zelt kam. Wahrscheinlich war es das Fallen, das ich hörte, als er über den Zaun sprang.

Da der Dieb sehr genau gewusst haben muss, wo sich mein Geld befand, gehe ich davon aus, dass er mich an dem Kiosk, wo ich mein Bier holte, gesehen hat.

Es war das erste Mal überhaupt, dass mir etwas gestohlen wurde und es hätte schlimmer sein können. Ich habe meine Lektion gelernt. Seither nehme ich immer (meistens) meine Tasche mit.

Weiter wollte ich meine Reise damit nicht betrüben. Ich blieb trotzdem nochmals eine Nacht und konnte den schönen Strand genießen.

Bis kurz vor der Grenze nach Lettland ging der wunderbare Radweg durch den Wald weiter.

Mehr über den zweiten Baltischen Staat gibt es dann das nächste Mal.


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4 Gedanken zu “Litauen

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Da hast Du natürlich recht. Vielen Dank für den kommentar. „Russisches Erbe“ wäre richtiger gewesen.

  • Helga Henrich

    Hallo Dorothee,

    Schon lange lese ich deinen Blog.
    Zuerst hat mich deine Reise auf der Seidenstraße interessiert, da ich 2014 auch den Pamirhighway gefahren bin. Allerdings nicht wie du, alleine und auf dem Fahrrad, sondern auf meinem Motorrad und mit 2 Begleitern.
    Ich bewundere deinen Mut, deine Kraft und Ausdauer und wie du auf die Menschen zugehst. Weiter so!

    Nun fährst du durch das Baltikum, spätestens an dem Blumenbeet mit Restaurant und weißen Tischdecken muss ich dir unbedingt schreiben.

    Am 25. Juli dieses Jahr waren wir, mein Mann und ich, auch mit den Fahrrädern an diesem Ort. Wir kamen zwar aus der anderen Richtung, aber die Beschilderung war ähnlich. Zuerst war mehrmals ein Campingplatz dargestellt und dann ist davon nicht’s mehr zu sehen.
    Wir konnten dort auch umsonst unser Zelt auf der Wiese aufbauen, aber die Dusche sollte 20,-€ kosten, die lehnten wir dankend ab. Haha, wir haben etwas besseres entdeckt, einen Wasserschlauch der zum Gewächshaus führte, der Wasserhahn dazu war hinter einem Gebüsch an der Rückseite vom Haus. Uha, das war eine eiskalte Dusche. Im Gewächshaus war schon lange keiner mehr, die Pflanzen waren alle vertrocknet, jetzt war es wieder etwas nass 😉

    Wir hatten zwei Visa für Russland und sind von Kaliningrad über die Nehrung nach Klaipeda, wahrscheinlich auf den selben Campingplatz wie du.
    Durch Litauen sind wir, auch ähnlich wie du, nur in die andere Richtung geradelt.
    Nach dem Ort mit dem erfrischenden Gewächshaus sind wir über die Königin-Luise-Brücke für eine Übernachtung nochmal nach Russland, nach Sowetsk, ehemals Tilsit, geradelt.
    Die russischen Grenzer waren sehr entspannt, haben uns so gut wie durch gewunken und mit den Russischen Gepflogenheiten waren wir eh schon vertraut. Wir sind in’s beste und wahrscheinlich einzige Hotel am Platz, hinter der Lenin Statur, abgestiegen. Für uns war der Luxus bezahlbar, da der Rubel bei 0,014€ lag. Die Stadt hat ihren ganz besonderen Charme, durch ihre alten preußischen und ihre neueren sowjetischen Häuser, durch ihre schönen Parks und die lange und breite Fußgängerzone, es ist kaum zu glauben, aber die Stadt ist sehr, sehr ruhig.

    Ich mag Russland und die Russen, ich finde auch, unser Land sollte die Krim-Politik nochmal über denken und versuchen, mit seinem Nachbarn im Osten eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen und die Nato-Osterweiterung nochmal überdenken. Wenn wir eine andere Beziehung zu Russland haben, erübrigt sich dieses vielleicht, wäre doch eine Überlegung wert?

    Ja, ich musste so manches Mal beim Lesen deines Litauen-Blogs schmunzeln. Diese Wellblechpisten, mit dem frischen, lose aufgebrachten Schotter, wo man einfach keinen festen Untergrund zum Fahren findet, schrecklich.
    Aber ich möchte keinen Meter missen, die Abgeschiedenheit und Ruhe lassen alle Strapazen vergessen.
    An einem schönen See, mit Süßwassermuscheln, konnte ich bei dieser Hitze nicht mehr weiter fahren, ich musste erstmal Schwimmen und mein Mann hat einen Fisch geangelt, das Paradies war perfekt. Wir sind an diesem Tag nicht mehr weiter gefahren, nur noch Zelt aufgebaut, Fisch gebraten und das „Vagabundieren“ genossen. Und der Sonnenuntergang war auch nicht durchgeXt.

    Ich wünsche dir weiterhin eine so gute Reise mit adrenalinschonenden Abenteuern, guten Begegnungen und immer genügend Luft in den Reifen,
    Helga

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Vielen Dank, Helga, für Deinen ausführlichen Kommentar. Er ist eine prima Ergänzung zu meinem Beitrag.
      Nach einer Dusche hatte ich bei dem Restaurant nicht gefragt oder gesucht, hatte ja am Abend vorher eine, das reichte für ein Weilchen 😉
      Ich wäre auch sehr gerne durch Kaliningrad und auch später durch Russland und über St. Petersburg nach Finnland. Aber nicht in 30 Tagen, so lange wie das „Double – Entry – Visa“ gegolten hätte.
      2008 bekam ich noch ein 3 Monats-Visum und bin durch halb Russland gefahren. ( https://d-tours2.blogspot.com/search/label/Russia ) Es hat mir sehr gut gefallen und die Gastfreundschaft der Russen haben mich sehr begeistert.
      Ja, ich hoffe auch, dass sie die Situation verbessert und das Reisen erleichtert wird.

      Jetzt bin ich zuerst mal zurück am Schreibtisch. Liebe Grüße, Dorothee