Lettland


Lettland

Der schön geteerte Radweg durch den Wald endete kurz vor der Grenze in Litauen. Wie ging es nun in Lettland weiter? Bisher war ich überwiegend im Wald unterwegs. Und nun?

Nach dem Radweg bin ich auf die Hauptstraße. Der Verkehr war so gut wie nicht vorhanden.

Allerdings fing direkt an der Grenze eine Baustelle an.

Im Gegensatz zu dem, was ich von Afrika kannte, war diese Baustelle schön in kleine Abschnitte eingeteilt. Jeder Abschnitt wurde durch eine Ampelanlage gesteuert. Das hätte ganz schön nervig sein können, wenn nicht ein anderer, älterer Einheimischer mit Fahrrad auch unterwegs gewesen wäre. Wir konnten uns zwar nicht verbal verständigen, hatten aber trotzdem unseren Spaß.

Er bog früher ab, ich musste im Gegenwind weiter. Im Süden von Lettland war wirklich überhaupt nichts los. Es gab nicht einmal eine Bushaltestelle, wo ich mich im Windschatten hätte ausruhen können.

Dann nach Stunden kam endlich Nica. Da musste ich zuerst den Laden stürmen und mich mit Kalorien vollpumpen, um die letzten 12 Kilometer auch noch zu bewältigen. Dunkle Wolken zogen auf und in dem Sturm war mir wieder nicht nach Wildzelten.

Dann kam nach sechs Kilometern schon ein Schild zum Zeltplatz. Wenigstens anschauen wollte ich ihn mir mal. Welch eine Überraschung: da waren schon zwei Radfahrer, Franzosen. Die kamen aus der anderen Richtung. Sie hätten sich ja gut noch ein paar Kilometer im Rückenwind treiben lassen können. So hatte ich wieder eine nette Unterhaltung, sie wahrscheinlich auch.

Schon früh war ich am nächsten Tag in Liepaja. Auch diese größere Stadt stellt sich immer mehr auf Radfahrer ein, wie man nicht nur an den schmucken Radständern sehen kann.

Auch hier wurde die Altstadt schön renoviert. Aber es gibt noch viele Baustellen, zum Beispiel die Brücke über den Fluss, die mir eine kilometerlange Umleitung eingebracht hat. Und das bei dem Wind!

War ich über den Wald froh. Kann es einen besseren Windschutz geben, als die Bäume? Aber wehe, es kamen Felder.

Da ich das ja nicht mache, um mich zu quälen, dauerte es nicht lange, bis ich ein schönes Plätzchen im Windschatten und in der Sonne gefunden hatte. Nach einer Dusche mit Tee ging es mir gleich viel besser.

Zum Glück weiß man nicht schon vorher, wie lange so ein Gegenwind anhalten kann. Aber wie gesagt, der Wald kam mir immer wieder zu Hilfe.

Bis Ventspils wollte ich kommen und nicht weiter. Im Schutz der Bäume fuhr ich in die Stadt.

Bevor ich auf den Campingplatz bin, habe ich mir die Stadt angeschaut.

Nicht zu übersehen, eine Hafenstadt. Anscheinend windet es hier öfter.

Auf Deutsch heißt die Stadt auch Windau.

Auf schönen Radwegen durch den Park kam ich auf den Campingplatz.

Nein, so schlecht kann kein Wetter sein, so stark kein Wind, dass ich dort bleibe. Eine touristische Massenabfertigung. Zwanzig Kilometer weiter nördlich waren nochmals zwei Campinganlagen. Diese nahm ich in Angriff und dank des Waldes habe ich sie auch erreicht. Wunderbar, mitten im Wald, hatte ich meine Ruhe, konnte unter einem Dach zelten, falls es regnet, hatte eine heiße Dusche und eine schöne warme Küche, sogar WiFi. Leider war es mittlerweile schon spät, sodass ich das alles nicht mehr so lange genießen konnte.

In der Nacht hatte es natürlich nicht geregnet. Der fing erst an, nachdem ich ein paar Kilometer gefahren war.

„Leichter Regen“, hieß es in der Wettervorhersage. Das stimmte fast, meist war es nur Niesel. Aber wenn es über Stunden anhält, ist es auch ätzend. Wenn es stärker regnete, war der Wind weg, ich kam schneller vorwärts. Windete es stärker, hörte der Regen auf und ich wurde wieder trocken. So lief es den ganzen Vormittag.

Die ganze Zeit war so gut wie nichts, außer ein paar Abzweigungen zu Campingplätzen. Keine Unterstände, nichts. Aber selbst bei diesem Wetter war der Wald fantastisch.

Ich liebe das Farbenspiel von Moos und Farn. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. In dem Nationalpark überlässt man den Wald sich selbst. Alles liegt wild drunter und drüber. Fantastisch.

Am frühen Nachmittag war ich an der Spitze in Kolkasrag.

Es hatte zum Glück aufgehört zu regnen. Nass und kalt erkundete ich die Gegend.

Wirklich nette Minihäuschen, die man da mieten kann. Ich nehme an, sie sind winddicht.

Es war wirklich wunderschön dort oben. Der Umweg hat sich trotz allen Widrigkeiten mal wieder gelohnt.

Nach der Spitze ging es Richtung Süden. Wie lange habe ich mich darauf gefreut, endlich wieder Rückenwind zu haben. Wenigstens für ein paar Kilometer.

Zum Übernachten suchte ich mir wieder einen Platz, wo ich überdacht mein Zelt aufstellen konnte.

Ich habe zwar ein sehr gutes Hilleberg – Zelt, aber wenn es sich vermeiden lässt, dass ich morgens das Zelt nass einpacke, habe ich auch nichts dagegen.

Geregnet hatte es natürlich wieder nicht in der Nacht. Wieder hatte es angefangen, als ich gerade mal ein paar Kilometer auf dem Fahrrad saß. Diesmal war es heftiger und hielt den ganzen Tag an.

Wenigstens kamen ein paar Ortschaften mit netten Bushaltestellen.

Hier wartete ich unter dem Regenbogen, bis es wieder etwas heller wurde. Wahrscheinlich kam nur kurz die Sonne zum Vorschein, um mich heraus zu locken. Dann kurz darauf fing es noch heftiger an.

Erst am nächsten Morgen hatte es aufgehört, auf der letzten Etappe nach Riga. Jurmala, der Badeort, und Riga sind fast zusammengewachsen. Dazwischen gibt es einen guten Radweg.

Russische 0rthodoxe Kirchen sieht man hier sehr häufig.

Eigentlich wollte ich zwei Nächte in Riga bleiben. Schon als ich den Campingplatz sah, war ich dem nicht mehr so sicher. Er ist auf dem Messegelände und eigentlich ein Parkplatz für Wohnmobile, die ganz dicht aneinander standen.

Ich war schon um die Mittagszeit dort, habe auf dem besten Platz mein Zelt aufgestellt. Daneben war ein Zelt mit einem Motorrad. Dann bin ich sofort in die Stadt.

Von der großen Brücke bekam ich den ersten Eindruck der Stadt. Auch sie wurde in den letzten Jahren ganz schön herausgeputzt.

Nicht nur in der Altstadt.

Ganze Straßenzüge bekamen neue Fassaden.

In der Altstadt mischen sie sich mit modernerer Architektur.

Ein Rundumblick:

Das sie auch noch Weltkulturerbe ist, macht sie noch reizvoller

Heerscharen von Touristen wurden durch die engen Gassen geschoben, wie ich es schon in Danzig hatte und Tallinn sollte anscheinend noch schlimmer werden.

Der Nachmittag hatte mir gereicht, ich fuhr am nächsten Tag weiter und atmete richtig auf, als ich wieder in der schönen, ruhigen Natur war.

Um die A1 weitgehend zu umgehen, fuhr ich im Zickzack nach Saulkrasti.

Dass hier Radfahren eine große Rolle spielt, ist nicht zu übersehen.

Danach bog ich nach Limbazi, ins Landesinnere, ab. Welche weise Entscheidung! Es war ein wunderbares, kleines Sträßchen durch Farmland und Wald.

Da mir heute drei Radfahrer begegnet sind, die alle wild zelten, ich nach Riga absolut keine Lust mehr auf Camping hatte und es tatsächlich immer noch nicht regnete, beschloss ich wild zu zelten und fand mal wieder einen herrlich ruhigen Platz, weg von der Straße im Wald.

Wahrscheinlich habe ich da jemandem den Platz weggenommen. Als ich am Morgen das Innenzelt aufmachte sah ich, dass ich einen Mitbewohner hatte.

So fing der Tag schon mal gut an.

Die ersten Kilometer waren noch wunderbar.

Es war nichts los auf diesen von Blumen eingesäumten Straßen. Mit der Schotterpiste fing auch der Regen wieder an. Kurz aber heftig – beides. Ruckzuck war ich nass und den Schotter müssen sie neu gestreut haben. Wenigstens staubte es in dieser Kombination nicht so.

Weiter, idyllisch am Bach entlang,

wenn auch mit einigen Auf und Abs.

Möge noch einer behaupten hier sei alles so flach. Dass die Steigungen immer nur etwa hundert Meter lang sind, brauche ich ja nicht zu erwähnen.

Bei Salacgriva kam ich wieder ans Meer und die A1. Bis zur Grenze war es nun nicht mehr so schlimm. Es gab weitgehend einen Radweg.

So und das nächste Mal: Estland. Soviel kann ich schon mal sagen: Es ist wieder ganz anders, einfach traumhaft.

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