Finnland und Aland


Finnland und die Åland Insel

Wie ist es mir nun in Finnland ergangen, nachdem es mir in Estland so gut gefallen hat? Da hatte das Land natürlich schlechte Karten. Hier nun mehr.

Nachdem ich die letzten Wochen fast nur in Wäldern verbracht hatte, war es ein Schock, fast direkt in der Innenstadt von Helsinki ausgespuckt zu werden. Viel zu viele Leute, zu viel Verkehr, zu viel Krach. Dann war die Touristinfo nicht da, wo es laut der Karte auf meinem GPS hätte sein sollen. Weiter suchen, und das bei all den Baustellen. Bis ich es ganz versteckt im Bahnhof gefunden hatte, war ich fix und fertig.

Als ich die Radtour startete, wusste ich noch nicht, dass ich auch noch in Finnland landen würde. Ich hatte keine Karten oder irgendwelche Informationen von dem Land. An der Touristeninformation bekam ich eine Karte von Helsinki und der weiteren Umgebung. Etwa nochmals 25 Kilometer entfernt sollte ein Campingplatz sein.

Da ich auf der Suche nach der Touristeninformation genug von der Stadt gesehen hatte, konnte ich sofort raus fahren. Kaum aus der Innenstadt heraus, war es merklich ruhiger. Mein GPS leitete mich auf schönen, schmalen Waldwegen und Radwegen entlang der Straße. An einer Tankstelle schaute ich kurz nach dem Preis für ein Bier. Tatsächlich – teuer. Eine Dose kostet hier mehr als 4 Euro. Wahrscheinlich nochmals teurer, da es eine Tankstelle war.

Auf dem Campingplatz waren schon andere Radfahrer. Auch Finnland ist sehr beliebt zum Radfahren. Ich habe wahrscheinlich jeden genervt, da ich Estland so vermisste und dort alles besser fand.

Am nächsten Tag: Regen. Den ganzen Vormittag nutzte ich den Vorteil des Platzes: ein Raum und Steckdosen. Erst kurz vor Mittag entschloss ich mich, doch weiter zu fahren.

Bisher waren mir die Finnen nicht sehr freundlich vorgekommen. Keiner lächelte, keiner grüßte zurück. Alle liefen finster an mir vorbei, ignorierten mich komplett.

An einem Einkaufszentrum traf ich ein finnisches Radlerpaar. Beide hatten ebenfalls dieses verschlossene Verhalten. Er war etwas aufgeschlossener und erzählte mir von dem Archipel um Turku. Es soll sehr schön sein und von einer der Inseln würde ich auch nach Åland kommen. Wenn ich auch sonst nicht viel wusste, aber Åland wollte ich auch sehen. Darum klang der Archipel schon mal verlockend.

Zuerst wollte ich durch die Seenregion. Unglaublich wie bergig es auf einmal wurde. Kurze, steile Anstiege über all die Felsen.

Nachdem ich das größere Umland von Helsinki verlassen hatte, gefiel mir Finnland immer besser.

Da ich nur einen kleinen Teil des Landes beradeln wollte, machte ich dafür umso mehr Schlaufen und kam so an sehr abgelegen Orte vorbei.

An einem schönen Ort, wo eigentlich ein Campingplatz hätte sein sollen, war eine kirchliche Einrichtung. Ich durfte im hintersten Eckchen zelten. Der Mann an der Rezeption war genau so finster, wie ich die Finnen seither erlebte. Nicht einmal ein Späßchen meinerseits konnten seine Mundwinkel nach oben bewegen.

Der See war aber trotzdem schön. Zum Baden hatte ich aber absolut keine Lust, ich war froh, nach all dem Regen endlich trocken zu sein.

Als das Wetter besser wurde, machte ich von dem „Jedermannsrecht“ Gebrauch – überall zelten zu dürfen. Das geht natürlich auch nur unter Berücksichtigung einiger Verhaltensregeln. Für mich gelten die gleichen Regeln wie sonst auch: nicht von der Straße gesehen werden und nicht mit dem Auto zugänglich. So, wie ich nicht gestört werden möchte, so möchte ich auch niemand anderen stören.

Wenn dann ein Hund mich aufspürte, hatte ich hier wenigstens nicht das Gefühl etwas Unrechtes zu tun. Es war so schön und ruhig, dass mir Finnland langsam gefiel.

Ab Salo war ich wieder auf der EuroVelo 10 Route.

Die Wegweiser konnte man kaum mehr erkennen.

Viel besser ausgeschildert war der Archipel – Radwegen.

Noch vor Turku, bei Kaarina konnte ich das Festland verlassen.

Vielleicht sollte man dies nicht gerade an einem Sonntag machen. Es war unglaublich viel Verkehr. Es gab zwar Radwege, die gingen aber das erste Stück direkt an der Straße entlang.

Die Inseln habe ich nicht gezählt. Manchmal wusste ich auch nicht, fahre ich über einen Fluss oder auf eine andere Insel? War ja auch egal, Hauptsache schön.

Am Spätnachmittag führte der Radweg endlich weg von der Straße. Abseits einer ruhigen Straße fand ich ein schönes Plätzchen zum Zelten.

Bei mehr als 30 Grad scheint eine Skisprungschanze fehl am Platz

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es hier Schnee geben könnte. In der Hoffnung, einen schönen Blick auch über das Meer zu haben bestieg ich das Gestell.

Mit Meerblick war nichts, aber hinunter fahren wollte ich da auch nicht.

Ab und zu war keine Brücke, sondern eine Fähre. Die fuhren aber ständig hin und her. Die meisten sind sogar kostenlos.

Bei Korpo habe ich das Turku-Archipel verlassen, um zu den Åland Inseln zu kommen

Das war eine größere Fähre, die etwas kostete. Ich war bei Weitem nicht die einzige Radfahrerin.

Unglaublich wie viele kleine Inseln es hier gibt.

Und alle sehen gleich aus, auf jeden Fall sehr ruhig.

Eigentlich hätte ich auf Kögar nur umsteigen müssen, um nach Åland zu kommen, aber die kleine Insel hat mir so gefallen, dass ich bleib. Wenigstens für eine Nacht.

Kaum auf der Insel, traute ich meinen Augen und Ohren nicht. Ich wurde gegrüßt und angelächelt! Jeder sagte „Hi hi“. Wie nett. So gefiel es mir natürlich gleich viel besser.

Deswegen wurde ich meinem Vorsatz, was das Zelten anbelangt, untreu.

Ganz am anderen Ende der Insel war ein kleiner Hafen,

Die kleinen Segelboote strahlten so eine Ruhe aus. Neben dem Hafen war ein Picknick-Platz, prima zum Zelten.

Ich fragte die wenigen Leute, die hier noch waren, ob es was ausmachen würde, wenn ich hier zelte, aber niemand hatte etwas dagegen, oder Bedenken, dass es jemand stören könnte. Eigentlich ist ja so ein kleiner Hafen auch wie ein Campingplatz.

Es war wunderbar, mit diesem herrlichen Blick aus meinem Zelt.

Einige der Segler waren aus Helsinki. Vielleicht sind gerade alle freundliche Finnen im Urlaub? Am nächsten Tag kamen einige vorbei, erkundigten sich, ob alles in Ordnung gewesen wäre und ob ich gut geschlafen hätte – richtig nett.

Ich packte langsam zusammen, wollte aber die Atmosphäre noch etwas genießen und schrieb Tagebuch. Die Fähre weiter zur Hauptinsel Åland ging erst um 12:30 Uhr.

Vor 10 Uhr machte ich mich auf den Weg, damit ich die Insel noch ein bisschen anschauen konnte. Die Insel mit all den Felsen gefiel mir ja schon sehr gut. Darum zögerte ich nicht lange, als ich den Wanderpfad, nur 600 Meter, zu zeinem archäologischen Platz sah. So alte Steine, die anscheinend vor 3.000 Jahren mal zu Häusern von Robbenfängern gehört haben sollen, sagen mir eigentlich nichts, aber die Landschaft. Also lief ich einfach mal los. Die Strecke war schön mit weißen Punkten markiert. Wunderbar über die Felsen und durch das Gestrüpp.

Ich war sehr schnell dort und wollte zurück. Also, wieder den weißen Punkten folgen. Nur, es gab auf einmal so viele weiße Punkte. Obwohl alles gleich aussah, war ich mir fast sicher, dass ich da nicht vorbei gekommen war. Trotzdem lief ich weiter, bis ich mir sicher war, hier stimmte was nicht. Mir wurde bewusst, ich hatte zwei Fehler begangen: erstens nahm ich kein Wasser mit, zweitens setzte ich auf meinem GPS keinen Marker, wo ich mein Fahrrad gelassen hatte.

Wenigstens nahm ich mein GPS mit. Da war sogar der Wanderweg markiert. Ich lief in die total falsche Richtung. Zurück zur Straße zu dem Punkt, wo ich annahm, wo mein Fahrrad stand, war es nun ganz schön weit. In einer Stunde ging die Fähre. Ich also nichts wie los. Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass ich die Fähre verpassen würde. Und auch das fand ich nicht so schlimm. Blöd war nur, dass ich nichts zu trinken hatte.

Im Laufschritt ging es zurück auf die Straße, wo zum Glück auch mein Fahrrad stand mit zwei vollen Wasserflaschen. So hatte ich noch mein kleines Abenteuer, bevor ich die kleine Insel verließ.

Gerade rechtzeitig schaffte ich es auf die Fähre. Ein paar Stunden später war ich auf Åland.

Die Inselgruppe gehört zwar zu Finnland, ist aber politisch autonom, die Amtssprache ist Schwedisch, sie haben ihre eigene Fahne und Autokennzeichen. Es wird aber in Euro bezahlt.

Auch hier gibt es Kanäle mit Wendebrücken.

Es kann sein, dass auf einmal ein Segelmast die Straße kreuzt.

Auf der Fähre bekam ich von einer sehr netten alten Dame eine Landkarte der Insel. Mit Freude entdeckte ich, es gibt Radwege um und durch die ganze Insel. 

Sie sind sehr gut ausgezeichnet und man kann sie auch gut mit einem normalen Fahrrad fahren, man braucht kein Tandem.

Er geht an sämtlichen Sehenswürdigkeiten

und sonstigen Besonderheiten

der Insel vorbei

Dazwischen Berge, Wälder, Felsen und natürlich auch Seen.

Was kann es Schöneres geben, als so ein netter Badestrand, total leer. Da zögerte ich nicht lange, sprang sofort mit all meinen Kleidern hinein. Ein paar Runden schwimmen und alles war wieder sauber. Bei den Temperaturen über 30 Grad war schnell wieder alles trocken noch bevor die anderen Badegäste kamen.

Ganz im Norden bei Geta gibt es eine Fahrradfähre über eine Bucht. Sie fährt nur einmal am Tag, um 11 Uhr. Es war ungefähr 13 Uhr als ich dort war. Auch, wenn sie gefahren wäre, hätte mich der Preis abgeschreckt: 22 Euro – 15 pro Person und 7 Euro fürs Fahrrad. So viel habe ich von Helsinki nach Tallinn bezahlt. Die Insel ist so klein, da konnte ich auch gut außen herum fahren.

Am Abend suchte ich mir mal wieder einen Schlafplatz im Wald. Wer hat denn da die Tannennadeln so schön aufeinander geschichtet?

Beim näheren Hinschauen merkte ich, da sind ja Ameisen. So etwas habe ich auf der nördlichen Hemisphäre selten gesehen. Lieber woanders zelten.

Und schon war ich wieder um die Insel und in Eckerö, wo die Fähre nach Grisselhamn, Schweden abfuhr.

 

Nach den anfänglichen Bedenken hat mir am Schluss Finnland doch sehr gut gefallen. Überhaut die Ruhe und die wunderbare Landschaft der Åland Inseln haben es mir angetan.

Nächstes Mal dann, wie es in Schweden weiter ging.


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