Nochmals: Senegal – Gambia – Senegal


Senegal – Gambia – und hoffentlich zum letzten Mal Senegal

Die Busfahrt von der Grenze zu Mali nach Dakar habe ich, außer dass mir ein paar Stunden Schlaf fehlten, gut überstanden. Jetzt hatte ich das ganze Wochenende Zeit mir Gedanken zu machen, wie es weiter gehen soll.

Den Rest der Nacht verbrachte ich in dem Zimmer der Polizei auf dem Busbahnhof. Und siehe da – ich fror!!! Wie war ich glücklich! Endlich mal wieder angenehmere Temperaturen. Der Temperaturunterschied betrug sicherlich 15 Grad. Das verstärkte meinen Entschluss, nicht wieder zurück nach Mali zu fahren, sondern an der Küste zu bleiben.

Bevor ich mich wieder in das Getümmel von Dakar stürzte, machte ich für den wachhabenden Polizisten und mich zuerst mal Kaffee auf meinem Campinggaskocher.

Dann ließ ich es langsam angehen.

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Brauchte ja zuerst mal wieder eine Übernachtung. Dank der Webseite von JB bin ich auf das Säuglingsheim in Dakar gestoßen, das Zimmer vermietet, um ihre Arbeit zu finanzieren. Es ist wie in Dakar üblich, nicht ganz günstig, aber es ist ja für einen guten Zweck. Außerdem ist es sehr schön, ruhig, sauber und ich bekam einiges über die Arbeit und die Situation in Senegal mit.

Wenn ich nicht nach Mali wollte, sind die nächsten Länder Guinea Bissau und Guinea (Conakry), für die ich diesmal auf jeden Fall Visa besorgen wollte.

Am Sonntag war der 1. Mai, am Montag konnte ich mich endlich zu den Botschaften aufmachen. Das erste Visum für Guinea-Bissau fand ich leicht. Nur teilte mir der Wachmann mit, dass heute nicht gearbeitet wird, da der 1. Mai ein Sonntag war. So ein Mist!

Zweimal in der Woche, dienstags und freitags, fährt eine Fähre nach Ziguinchor in den Süden des Senegals. Da ich einen Teil der Strecke schon mit dem Fahrrad gefahren bin, fand ich die Fähre ganz attraktiv. Am nächsten Tag wollte ich sie eigentlich nehmen.

Etwas betrübt und nicht mit viel Hoffnung, dass es bei der Botschaft von Guinea Conakry anders sein könnte, suchte ich die zweite Botschaft. Das war schon eine größere Herausforderung. Sie ist umgezogen. Ein paar Kilometer von der alten entfernt, in irgendeine Nebenstraße.

Es hat eineinhalb Stunden gedauert bis ich sie endlich fand. Wie befürchtet sagte mir auch hier der Wachmann, dass heute nicht gearbeitet wird – aber mit dem Nachsatz: Der für Visa Zuständige ist gerade beim Zahnarzt und kommt gleich zurück.

Also wartete ich, da ich ja eh nichts besseres zu tun hatte.

Er kam dann auch und nahm sich sogar meiner an. Zuerst meinte er, ich könne das Visum am Mittwoch abholen. Also habe ich wieder ein bisschen herum gejammert, dass ich doch morgen die Fähre nehmen will.  Auf einmal sollte ich das Visum doch am nächsten Tag mittags abholen.

Bevor ich ging meinte er noch der Zuständige, der unterschreiben muss, wäre auch gerade da, Vielleicht könnte man es heute noch machen. Sehe ich da endlich Licht am Horizont? Geht endlich mal was gut aus? Ich fragte nur, wie lange er noch da sei. Bis zwölf Uhr, da konnte ich auch noch am Sandwich-Stand gegenüber warten.

Zehn vor 12 Uhr klingelte tatsächlich mein Telefon. Ich könne das Visum jetzt abholen, hieß es an der anderen Leitung. Ich konnte es kaum glauben! Aber es war tatsächlich so.Wahrscheinlich habe ich dafür auch etwas mehr gezahlt als üblich. Es hat mich circa 100 Euro gekostet. Dafür war es auch für drei Monate.

Nächster Punkt: Ticket für die Fähre. Dazwischen eine chaotische Fahrt durch Dakar.

Ich weiß auch nicht, warum die Autofahrer und Taxifahrer samt Passagiere das Tag für Tag mitmachen. Alle Straßen sind verstopft, Staus ohne Ende, an jeder Kreuzung geht es drunter und drüber. Mit dem Fahrrad konnte ich mich gerade so durchwursteln.

Wenn jeder, der nur ein paar Kilometer zurücklegen muss, das Fahrrad nehmen würde, wäre die Stadt (fast) paradiesisch.

Gleich am Eingang vom Hafen, als ich nach dem Ticket für die Fähre nach Ziguinchor fragte, wurde mir gesagt, ich könnte frühestens am 10. Mai fahren. Es war der 2. Mai. Da war nun wirklich nichts zu machen. Zur Zeit darf man mit dem Auto nicht nach Gambia, das Mitten in Senegal liegt. Um in den südlichen Teil des Landes, die Casamance zu kommen,nehmen viele die Fähre. Deswegen war sie hoffnungslos ausgebucht.

Mein Entschluss stand fest. Ich wollte am nächsten Tag fahren – wenn nicht mit der Fähre, dann halt mit dem Fahrrad. Das Visum für Guinea-Bissau sollte ich noch in Ziguinchor bekommen. Vorsichtshalber rief ich dort an, um es bestätigt zu bekommen. Das wäre wirklich hyper-übel, wenn dem nicht so wäre und ich wieder nach Dakar zurück müsste.

Jetzt nichts wie zurück zu meiner Oase und der Ruhe bei den Schwestern, dachte ich mir.

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Am Abend besuchten mich die Schwester Charité von den Philippinen, eine Schwester aus Kolumbien und eine afrikanische Schwester. Sie wollten alles ganz genau wissen. Es war sehr amüsant. Da ich sowohl auf den Philippinen und in Kolumbien schon mit dem Rad unterwegs war, war es ein reger Austausch. Sie waren so angetan, dass sie mir Geschenke übergaben und eine antibiotische Creme für meine Wunde. Schon fast schade, dass ich sagte, ich fahre morgen.

Diesmal fuhr ich auf direktem Weg nach Gambia. Wieder übernachtete ich in Gehöften von Familien. Das sind dann so 30 Leute, wovon zwei Drittel Kinder sind. 

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Wenn ich den ganzen Tag mehr oder weniger alleine bin, liebe ich diese Abwechslung. Tagsüber habe ich auch manchmal keinen Nerv mich näher mit der Bevölkerung zu beschäftigen. Es ist einfach zu heiß und ich möchte meine Ruhe. Am Abend ist es entspannter.

Wenn ich hier dieses Zusammenleben sehe, frage ich mich, wie die Flüchtlinge es in Deutschland so alleine aushalten. Hier traf ich eine Frau, die mehrere Jahre mit ihrem Mann in Italien gelebt hat, dann aber wieder zurück zu ihrer Familie gegangen ist. Ihr Mann ist noch in Italien. Ihre Kinder sind in Italien geboren, sind aber jetzt auch in Senegal.

Später traf ich einen Mann, der seit drei Jahren mit einer Deutschen verheiratet ist und in Leipzig wohnt. Für drei Monate ist er bei seiner Familie in Senegal. Sein „Ja“, als Antwort auf meine Frage, ob es ihm in Deutschland gefällt, klang nicht sehr überzeugend. Auch sein Telefonat mit seiner Frau war eher reserviert, im Gegensatz zu dem, wie er auf einmal auflebte, als weibliche Wesen aus dem Dorf auf den Hof kamen.

Alles nicht so einfach. Wenn sie in Deutschland sind, sind sie ja im Paradies. Dann können sie schwerlich zugeben, dass es ihnen nicht gut geht. Leider ist das reale Deutschland ganz anders, als die Vorstellung, die sie haben. Ich sollte darüber wirklich einen extra Blog schreiben.

Für mich ging es weiter nach Gambia. Der Verkehr bisher wahr höllisch. Viel schlimmer, als ich es vom ersten Mal in Erinnerung hatte. Das hörte schlagartig auf, als ich auf die wunderbar neue Straße bei Fatick abgebogen bin. Auf einmal war es so was von ruhig. Kaum ein Auto auf der neuen Straße, dafür umso mehr Kühe.

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Und wieder war ich im Saloum-Delta, etwas östlicher, flussaufwärts.

 

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mit vielen Wasservögeln, auch Pelikanen.

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Auf sehr schmalen Deichen wird der spärliche Verkehr durch das Feuchtgebiet geführt. Einfach gigantisch schön.

 

 

 

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Diesmal bin ich bei der Hauptstadt von Gambia, Banjul, über die Grenze. Was für ein Unterschied zur ersten Ankunft bei Farafenni. Ich musste diesmal zwar nichts für mein Visum bezahlen, es wurden aber alle meine Taschen durchsucht. Vor allem auf Medikamente haben sie es abgesehen. Ich musste für alles ein Rezept vorlegen. Zum Glück hatte ich das noch, was ich erst im Krankenhaus bekommen habe. Für Malerone habe ich ihnen ein Schreiben auf Deutsch untergejubelt, wie ich es einzunehmen habe. Das wurde so akzeptiert. An meine Zäpfchen gegen Übelkeit und Erbrechen hatten sie kein Interesse mehr, nachdem ich ihnen erklärt habe, was Zäpfchen sind.

So bin ich nochmal ganz gut davon gekommen. Mir fällt es am Schwersten, in solchen Situationen ruhig zu bleiben. Mittlerweile habe ich mich da recht gut im Griff, sonst wäre es wahrscheinlich noch unangenehmer geworden.

Nach dem Gambia Fluss

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landete ich direkt in Banjul. Die Stadt war von den alten Gebäuden her ganz interessant, aber vom Verkehr her eine Katastrophe. Darum habe ich nur geschaut, dass ich da raus komme, habe nicht mal zum Fotografieren angehalten. Wahrscheinlich sind neunzig Prozent aller Fahrzeuge im Grossraum Banjul. Bei meiner ersten Durchfahrt weiter im Osten, hatte ich kaum ein Auto gesehen.

Wieder hörte der Verkehr schlagartig auf, als ich Richtung Senegal, Casamance abbog.

Da da Wochenende bevorstand und ich eh in Ziguinchor vor Montag kein Visum bekam, bin ich Richtung Kafoutine ans Meer abgebogen.

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Hier konnte ich in Ruhe weiter an den Korrekturen meines Buches arbeiten. Das Campement bei Steffi, einer Deutschen, war so schön ruhig, dass ich wenig Bedürfnis hatte, diese Oase zu verlassen. Erst am Sonntag erkundigte ich die nähere Umgebung zu Fuß.

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Da hätte ich doch beinahe was verpasst, wenn ich mich nicht doch noch aufgerafft hätte,

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Das Meer war leider nichts zum Schwimmen, die Strömung war zu groß. Unglaublich viele Fischer haben sich hier niedergelassen.

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Leider mag ich ja keinen Fisch.

Dann ging es auf die letzte Etappe in Senegal, wieder auf schmalen Deichen zwischen Mangroven

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nach Ziguinchor. Ich kam dort zwar schon um 14:30 Uhr an, die Guinea-Bissau Botschaft war aber schon geschlossen.

Ich konnte mich wieder auf dem Campement Casamance niederlassen und die kühle Ruhe genießen.

Am nächsten Morgen konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich gleich alles zusammenpacken sollte und sobald ich das Visum habe gleich weiterfahre, oder einfach noch bleibe. Ich entschied mich für bleiben. Wer weiß, ob ich das Visum wirklich so schnell bekomme.

Kurz nachdem die Botschaft aufmachte, war ich dort. Zehn Minuten später war ich – mit Visum – wieder draußen. So schnell ging es noch nie und es hat nur 20.000 CFA (cirka 30 Euro) gekostet.

Nichts wie zurück zum Campement, wo ich mich von Roché verwöhnen ließ.

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Glücklich, mit Visa für die nächsten zwei Länder, konnte ich Ziguinchor verlassen. Zwanzig Kilometer später stand ich auch schon vor der Grenze nach Guinea-Bissau.

Ich war jetzt wirklich lange genug in Senegal, hatte sehr schöne Momente, aber insgesamt war der Eindruck nicht so positiv. Ich freute mich jetzt richtig auf die zwei Guineas. Es soll jetzt viel besser werden, wie ich gehört habe.

Mehr darüber demnächst hier.


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2 Gedanken zu “Nochmals: Senegal – Gambia – Senegal

  • Calle

    Hallo Dorothee,

    ich hoffe Deine Hand ist inzwischen geheilt und Du befindest Dich auch sonst bei guter Gesundheit. Schön zu hören, dass Steffi noch immer in Karfuntine lebt, malt und Fahrradtouristen betreut. Vor ca. 7 Jahren habe ich auch mal bei ihr gewohnt. Deine letzte Mail erhielt ich aus Conakry, inzwischen solltest Du ein ganzes Stück weiter südlich sein, vielleicht Elfenbeinküste? Jedenfalls ist dort unten jetzt Regenzeit soweit ich weiß, das ist vermutlich ziemlich hart. Lass mal was von Dir hören und bleibe vor allem gesund.

    Gruß

    Calle

    • doroFleck Autor des Beitrags

      Hallo Calle,

      ja, vielen Dank, der Hand geht es wieder gut, dem Rest auch 🙂
      Mit der Elfenbeinküste wurde es nichts, siehe neuen BlogBeitrag. Die Regenzeit ist (nach) weit weniger schlimm, als befürchtet. Wenn es tagsüber regnet, dann nur für maximal eine Stunden.

      Liebe Grüße,
      Dorothee