Kamerun


Kamerun –

Welch Wohltat

Von Kamerun hört man nicht allzu Schlechtes, außer dass das auch hier im Norden Boko Haram ab und zu auftritt. Im Süden gilt es noch als eine der sichereren Reiseländer. Aber wie sieht es wirklich in dem Land aus?

Nach der langen Bootsfahrt, die mir übrigens überhaupt nicht gut bekam, sind wir die üblichen zwei Stunden später in Limbe angekommen. Es war stockdunkle Nacht. Ich musste aufpassen, dass ich meine Siebensachen im Auge behalte.

Die meisten haben ihren Pass, den wir in Nigeria abgeben mussten, auf dem Schiff wiederbekommen. Ich nicht. Der Typ wollte von mir Geld in der Währung von Kamerun (zentralafrikanische Francs), das ich natürlich nicht hatte. Ich verstand auch gar nicht, warum ich überhaupt etwas zahlen sollte. Anscheinend für den Einreisestempel – sehr merkwürdig. Seit wann kostet der was? Aussitzen war mal wieder angesagt. Irgendwann werden sie mir meinen Pass zurück geben müssen.

Kamerun war mein dreizehntes afrikanisches Land. Noch nie hatte ich für einen Einreisestempel gezahlt und hatte auch nicht vor, dies in Kamerun zu tun. Tatsächlich bekam ich den Pass zurück.

Draußen wartet ein Mechaniker vom Boot, der sehr von meiner Reise begeistert war. Er kümmerte sich, dass ich für meine restlichen nigerianischen Naira zentralafrikanische Francs bekam.

Dann meinte er, sein Freund Elvis wäre da. Wenn ich wollte, könnte ich bei ihm und seiner Familie übernachten. Welch ein netter Empfang in diesem Land, so etwas ist mir in Nigeria nicht passiert.


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Die Tochter des Hauses räumte für mich ihr Zimmer und machte mir Essen. Ganz unbemerkt schlief auf dem Sofa der neugeborene Sohn. Natürlich war auch hier der Fernseher Mittelpunkt.

Von Elvis erfuhr ich den Grund, warum wir heil durch das Niger-Delta gekommen sind. Der neue Schifffahrtsbetreiber hat den Piraten viel Bestechungsgelder gezahlt, dass die Fähren jetzt unbeschadet durchkommen. Vielen Dank.

Sie hätten gern, dass ich noch eine Nacht bleibe. Ich wollte lieber für mich sein. In letzter Zeit war alles zu viel.

Im Strand konnte ich an einem Hotel mein Zelt aufstellen.

 

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Hier konnte ich mich endlich nach der Schnelldurchfahrt durch Nigeria ausruhen.

Es war jetzt Anfang der Regenzeit, ich hatte aber noch weitgehend Glück. Ich konnte sogar den Pool ausnutzen.

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Das Meer lud nicht zum Schwimmen ein. Nicht nur, da gerade vor der Küste die Ölplattformen sind.

Wegen des schlechten Wetters ist in dieser Jahreszeit nichts mit der Besteigung des Mt Cameroons. Wenigstens bis zum Basislager in Buea wollte ich mit dem Fahrrad hochfahren. Ich ging davon aus, dass es auf den 24 Kilometern etwa 250 Meter hoch geht.

Wunderschön ging es durch Teeplantagen

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Bald merkte ich, mit den 250 Höhenmetern lag ich doch etwas falsch. Der Nebel wurde immer dichter.

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Auf 950 Meter stand ich dann in Buea im Nebel. Keine 50 Meter weit konnte ich sehen. Schnell drehte ich um und freute mich, als die Sicht bald wieder besser wurde und ich den Berg hinunter düsen konnte.

Vorbei an Bauern, die irgend ein Kraut ernteten. Ein Junge aß eine Frucht.


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Was ist das denn? Eine „Affen-Frucht“. Ich hatte sie davor und danach nie mehr wiedergesehen (Die Bauern und die Frucht).

War das ein Genuss durch Limbe zu laufen. Hier hatte ich meine Ruhe, keiner der mir hinterher rief und mir immer die gleichen Fragen stellte. Hier wurde ich einfach in Ruhe gelassen. Gleich am ersten Tag habe ich hier auch meinen ersten Weißen gesehen.

In Nigeria hatte ich überhaupt keine Fahrradfahrer gesehen. (OK, vielleicht ein oder zwei in der ganzen Zeit). Ich machte mir deswegen auch überhaupt keine Mühe, einen Fahrradmechaniker zu finden.

Kamerun war auch in dieser Hinsicht vielversprechender. In Douala, der größten Stadt des Landes, wurde ich gleich mehrfach fündig. Eine ganze Straße entlang waren Reparaturwerkstätten. Mein Glück, dass ich alle Ersatzteile dabei hatte. Denn damit sah es auch hier nicht gut aus.

Ritzel, Kettenblatt und Kette wollte ich endlich wechseln. Den Ritzelabzieher von Rohloff hat mir Rohloff diesmal mitgegeben, damit ich nicht wieder mit so abgefahrenen Zähnen zurück komme. Ich brauchte nur eine Kettenpeitsche.

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Der Container sah nicht vertrauenserweckend aus. Aber ich hatte Vertrauen in mich selbst. Zwar hatte ich noch nie das Rohloff-Ritzel umgedreht oder ausgetauscht, Markus von Velotraum hatte es mir aber gezeigt und gesagt, auf was ich achten muss. Das Internet in der Stadt war auch so gut, dass wir das Video von Rohloff nebenher anschauen konnten. Innerhalb von weniger als einer Stunde war alles erledigt. Wieder einmal war alles gar nicht so schwer, wie so manche Männer tun.

Danach ging es weg von der Küste in die Berge und in den Regen.

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Yaounde, die Hauptstadt von Kamerun liegt auf 750 Höhenmetern. So hoch ging es schon lange nicht mehr hinaus, wenn man mal vom Mt Cameron absieht.

Unterwegs fragte ich Polizisten bei der Radarkontrolle (ja, so etwas gibt es hier wirklich), ob ich hier irgendwo mein Zelt aufstellen kann. Bei der Antwort traute ich meinen Ohren kaum. Kein „Das ist viel zu gefährlich hier“, sondern ein nettes, „Eigentlich überall“. Gegenüber sei ein Krankenhaus oder auf dieser Seite eine Schule und davor wohnt eine Familie.

So landete ich schließlich bei der unglaublich netten Familie.
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Wie habe ich das in Nigeria vermisst. Einfach das Zelt bei Einheimischen aufstellen und so viel mehr von Land und Kultur mitzubekommen.

In jedem afrikanischen Land gibt es viele afrikanische Sprachen. Die europäische Amtssprache (Englisch, Französisch oder Portugiesisch) lernt man eigentlich erst in der Schule, da in der Familie eine afrikanische Sprache gesprochen wird. Dies schien hier anders zu sein. Ein kleines Gebiet an der Grenze zu Nigeria ist Englisch. In meiner ersten Gastfamilie sprach man auch Englisch. Der Rest des Landes ist Französisch, was hier auch in der Familie gesprochen wurde.

Yaounde war mal wieder eine Herausforderung für sich. Verkehr, Berge, Mopedfahrer.

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Das einzig äußerst nette an der Stadt war, dass ich in dem Presbyterien Guesthouse endlich einmal wieder Reisende getroffen habe.

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Paul und Jan aus Australien sind seit längerer Zeit – und immer wieder mit dem Motorrad – in Afrika unterwegs.

Solche Abende mit Erfahrungsaustausch beim Bier habe ich schon lange vermisst.

Am nächsten Tag, Dienstag, ging es wieder raus aus der Stadt.

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Dass am Montag ein Feiertag war, habe ich überhaupt nicht mitbekommen.

Raus aus der Stadt wurde ich von einem Militärfahrzeug begleitet. Es stoppte immer wieder, Soldaten sprangen heraus und durchsuchten vor allem die leerstehenden Häuser. Was war da los? Kurz darauf wurden alle Lastwagen von der Straße gewunken, ich auch. Mir wurde nur gesagt, ich müsse hier jetzt eine Stunde warten. Warum? – keine Auskunft.

So etwas ist für mich unbegreiflich und es geht mir auch sehr gegen den Strich. Wie kann man einfach so den ganzen Verkehr für eine Stunde lahmlegen? Ich war natürlich die einzige, die sich darüber mehr als wunderte.

Dann kam eine Eskorte von Fahrzeugen mit Motorrädern vorne und hinten. Jetzt wusste ich es. Der Präsident fuhr zur Arbeit! Normalerweise ist diese Prozedur am Montag, aber da Feiertag war hat es mich nun dienstags erwischt.

Was ist das für ein Präsident, der solche Vorsichtsmaßnahmen treffen muss, um zur Arbeit zu fahren?

In anderen Ländern bin ich kurz von der Straße gewunken worden, wenn der König oder Präsident vorbei kam. Aber eine ganze Stunde den Verkehr lahmlegen?

Danach konnte ich wieder ganz normal weiter fahren.

Am Abend konnte ich mein Zelt unter Bananenstauden aufstellen.

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Auch in Afrika müssen die kleinen Kinder ihre Zähne putzen,
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Und sie tun es ohne groß zu murren.

Landschaftlich tat sich bis zur Grenze nicht mehr viel. Es war das Übliche auf und ab in der sehr grünen Landschaft.

Bei den Übernachtungen bei Familien bekam ich einiges mit.

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Hier sitzen die Frauen im Kochbereich. Die Mutter war mit den Töchtern dabei die Soße aus den Palmölfrüchten zu kochen. Es ist unglaublich aufwendig. Nachdem ich aufgetaucht war, war sie bald alleine, bis ich mich, im Gefolge aller anderen, zu ihr setzte.

Die jüngereTochter hatte eine Schüssel auf dem Schoß

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ich traute meinen Augen nicht! Das wollten sie doch nicht etwa kochen und essen?

Leider fand ich es nicht richtig heraus, sie lachten nur über mich. Zutrauen würde ich es ihnen schon.

Kurz vor der Grenze wurde ich von Reuben eingeholt

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Mit ihm habe ich die Zeit in Bamako, Mali, verbracht. Er war in der Zwischenzeit in Europa und hat seine Freundin abgeholt. Eigentlich wollte er mit ihr weiterreisen, nur hatte sie dann kein Visum für Nigeria bekommen. Sie ist dann geflogen und er ist sehr abenteuerlich und sehr schnell durch Nigeria und Kamerun gedüst. In Gabun konnten sie sich wieder treffen. Und alles ist nochmal gut ausgegangen.

Mir stand auch die Grenze nach Gabun bevor

Darüber wieder mehr nächstes Mal.


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