Solo ? Ganz allein?

Solo? Ganz allein?

Warum ich allein auf Tour gehe

Ein Remake von 2014 ! Im Wesentlichen hat sich nichts geändert. Selbst die Afrikaumrundung habe ich Solo überlebt. 😃🚴‍♀️

Manche fragen sich : Was habe ich verbrochen, dass ich als Strafe so ganz ohne Familie so weit fahren muss – und dann auch noch mit dem Fahrrad? In manchen Kulturen ernte ich dafür höchstes Mitleid. Doch ich bin in einer anderen Umgebung aufgewachsen. Das heißt nicht, dass mir Familie und Freunde nicht wichtig wären. Aber: Ich muss nicht immer mit ihnen zusammen sein. Ich bin selbstständig – im Denken und im Handeln.

Warum ich nicht warten will

Ich bin von Natur aus ungeduldig und habe meinen Dickkopf. (Jetzt denkt sicher jeder: Kein Wunder, dass niemand mitkommen wollte! 😉) Wenn ich etwas unternehmen will, dann will ich es jetzt tun – nicht warten, bis andere Zeit, Lust oder Geld haben. Als selbstständiger Mensch kann ich einfach losziehen, bevor alles wieder auf „Sankt Nimmerleinstag“ verschoben wird.

(Die Angst verdient übrigens einen eigenen Beitrag. Nur so viel: Nein, ich habe keine Angst. Ich habe genug Erfahrung. Und wenn jemand Böses im Schilde führt, ist ein Zweiter nicht unbedingt eine große Hilfe.)

Freiheit – mein größter Antrieb

Ich liebe das Radreisen wegen der grenzenlosen Freiheit. Diese Freiheit möchte ich mir nicht nehmen lassen: So weit fahren, wie ich will. Halten, wann ich will. In letzter Minute entscheiden, welchen Weg ich nehme – ohne Diskussionen. Ich reise immer mit Zelt, um dort zu bleiben, wo es mir gefällt. Kein Hetzen, kein Warten, kein Kompromisse-eingehen-müssen.

Kommunikation: Allein unterwegs, aber nicht einsam

Es gibt etwas, das mir manchmal fehlt – und was ich gerade deshalb umso mehr zu schätzen gelernt habe: Die Kommunikation.  Die ist mit Einheimischen viel intensiver, wenn Du allein unterwegs ist. Die Hemmschwelle, jemanden anzusprechen, ist niedriger. Und weil es sonst niemanden gibt, bin ich auf Gespräche angewiesen. Besonders als Frau allein wecke ich oft Neugier – und das öffnet Türen zu unerwarteten Begegnungen und Geschichten.

Die Kehrseite: Nachteile des Alleinreisens

Natürlich ist nicht alles einfach. Einsam fühle ich mich selten, aber die ständige Verantwortung für alle Entscheidungen kann ermüden. Wenn etwas kaputtgeht, muss ich es selbst reparieren. Alles tragen, organisieren, planen – das bleibt an mir hängen. Und ja: Wenn ich über Wochen kaum jemanden zum Reden habe, werde ich  komisch. Krankheit trifft einen allein besonders hart – doch bisher war ich auf Tour zum Glück nie ernsthaft krank. Radfahren ist die beste Therapie für fast alles.

Begegnungen mit anderen Radreisenden

Sie sind immer willkommen! Ich genieße es, eine Zeitlang mit anderen zu fahren – und freue mich danach wieder auf meine Freiheit. Es ist ein schöner Rhythmus: Gemeinschaft erleben, dann wieder in die Stille eintauchen.

Allein ist nicht einsam

„Allein“ bedeutet für mich: All-eins-sein. Sich selbst genug sein. Das heißt nicht, dass ich keine Gesellschaft schätze. Aber ich brauche sie nicht ständig, um mich wohlzufühlen.

Ein Weihnachtsmoment, der bleibt

Weihnachten 2012, Philippinen: Ich war auf Tour, als mich der Captain of the Barangay (Ortsvorsteher) einlud, in der Kindertagesstätte zu übernachten. Plötzlich war ich umgeben von einer großen Familie. Wochen vor den Feiertagen fragte mich ein kleiner Junge: „Was machst du an Weihnachten?“ Ich antwortete, dass ich wohl bei Freunden in Australien sein würde. Ganz still und ernst sagte er: „Du kannst auch zu uns kommen. Hier findest du uns alle.“

Manchmal sind es diese kleinen Momente, die zeigen: Einsamkeit ist relativ. Verbindung entsteht oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet.


In diesem Sinne wünsche ich euch allen:
Schöne Tage – im Kreise der Familie, mit Freunden oder einfach mit euch selbst. Vielleicht sogar eine internetfreie Zeit. Denn manchmal ist das beste Geschenk die Stille, die uns zu uns selbst zurückbringt.

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