Zurück in Frankreich – auf nach Paris

Und wieder zurück nach Hause: Das Ende der Reise

Willkommen zurück in Frankreich. Nach der gigantischen Tour in Irland bin ich nun wieder in Cherbourg. Und jetzt? In Frankreich bin ich schon kreuz und quer gefahren, aber Paris finde ich zum Radfahren einfach fantastisch. Von dort aus komme ich gut mit dem TGV nach Straßburg. Also: Auf nach Paris!

Es ist ratsam, den TGV frühzeitig zu buchen. Auch hier gilt: Je früher, desto günstiger – und desto sicherer ist es, dass man noch einen Stellplatz für das Fahrrad bekommt. Wenn Du alleine reist, ist es allerdings wahrscheinlicher, noch einen Platz zu ergattern.

Als ich in Cherbourg ankam, hatte ich meine Fahrkarte bereits in der Tasche. Für die Strecke von etwa 400 Kilometern hatte ich mir gerade mal 4,5 Tage eingeplant. Sehr ambitioniert. Also los! Damit ich dem Regen in Irland nicht zu sehr nachtrauere, hat es hier direkt munter weitergeregnet. Das Wetter war sehr ähnlich: Regen – Sonne – Regen … vielleicht ein bisschen mehr Sonne und auf jeden Fall breitere Straßen.

⛰️ Berge, Regen und andere Probleme

Von Cherbourg aus ging es zuerst einmal 140 Höhenmeter bergauf – und zwar in Nullkommanichts. Hat es unten noch geschüttet, schien oben die Sonne. Mir wurde schnell warm, und ich habe die Regenhose den ganzen Nachmittag an- und ausgezogen.

Dann streikte das Internet auf meinem Smartphone. So etwas hält mich immer auf, weil ich das Problem sofort lösen möchte. Auf die Schnelle hat es jedoch nicht geklappt. Also bin ich in Carentan-les-Marais auf einen Campingplatz geflüchtet – die haben sicher Wi-Fi, dachte ich. Das stimmte zwar, aber ich konnte mich nicht einloggen. Keiner konnte mir helfen. Ich wusste, dass es eine Lösung gibt, ich musste sie nur finden.

So abhängig bin selbst ich mittlerweile vom Internet. Dabei ging es die ersten 25 Jahre meiner Radtouren auch ohne! Ich bin überzeugt, ich würde auch so heimfinden, aber mit Infos aus dem Netz ist es wesentlich leichter. Erst spätabends im Zelt fand ich heraus, wie ich die Sicherheitssoftware ausschalten konnte, und war wieder online. Ich liebe solche Probleme, wenn ich sie am Ende selbst lösen kann – da war ich schon fast ein bisschen stolz. 😉

🍎 Highlights in der Normandie

Der nächste Tag fing prima an. Es regnete nur morgens kurz, sodass ich mein Zelt trocken einpacken konnte. Ich erreichte das Département Calvados. Da musste ich natürlich unbedingt das dazugehörige Getränk als Souvenir finden!

Fachwerkhaus in Bayeux

Eine große Überraschung war Bayeux. Irgendetwas sagte mir der Name, und als ich das Schild sah, dass die Kathedrale zum Weltkulturerbe gehört, fiel es mir wieder ein. Die wollte ich unbedingt sehen! Hier sind die Häuser „längsgestreift“ (Fachwerk) und die Straßen so schmal, dass sich der Verkehr förmlich durchzwängt. Am Samstagnachmittag war entsprechend viel los. Dafür habe ich mitten im Trubel in einem kleinen Laden das perfekte Souvenir gefunden: drei kleine Fläschchen Calvados, verschieden lange gereift, inklusive Gläschen.

Hier gibt es das regionale Getränk

Die Kathedrale war gleich um die Ecke – kaum zu übersehen. Noch nie habe ich so schöne Glasfenster gesehen!

Da die Stadt im Krieg nicht zerstört wurde, sind viele alte Fachwerkhäuser erhalten. Da meine Zeit knapp bemessen war, fuhr ich bald weiter. Gerade rechtzeitig, bevor der Regen wieder einsetzte. Die 30 Minuten hätte ich eigentlich auch noch in Bayeux verbringen können, anstatt später an einer Bushaltestelle im Nirgendwo zu warten. 😉

🏕️ Von Schlammwegen und Wildzelten

Mein GPS wollte mich über quasi nicht existierende Wege schicken. Nachdem ich im Schlamm stecken geblieben war, blieb ich lieber auf der Straße. In der Gegend um Caen war ich schon vor einem Monat in der Gegenrichtung unterwegs. Ich erinnerte mich, dass es an der Orne prima Plätze zum Wildzelten gab. Damals war es noch zu früh am Tag, diesmal passte es perfekt. Es kam auch niemand mehr vorbei.

Bis Lisieux war es ein einziges Auf und Ab auf kleinen Straßen. Ich folgte keinem Radweg, sondern wollte einfach nur Richtung Paris. Lisieux hat ebenfalls eine Kathedrale, die jedoch nicht ganz so prächtig ist wie die in Bayeux. Dafür gibt es dort die Basilika Sainte-Thérèse aus dem 20. Jahrhundert.

Kathedrale in Lisieux

Danach hieß es nur noch „Kilometer runterreißen“. Es kamen kaum noch Dörfer; das Einzige, was passierte, war eine Treibjagd am Wegesrand. Und es war der erste Tag, an dem ich keine Regenhose trug! Zum Zelten bog ich in einen Wald ab. In Frankreich vermisse ich manchmal den Small Talk, den ich mit den irischen Bauern hatte. Mein Französisch ist nicht so gut, und ich sah schlichtweg keine Bauern auf den Feldern.

Wildzelten im Wald

Was mir auffiel: Die Franzosen hupen viel mehr als die Iren. Sie lieben zwar die Tour de France und bleiben ruhig, wenn ein ganzer Pulk Rennradfahrer vor ihnen fährt, aber bei mir – und vielleicht auch bei anderen Tourenradlern – muss scheinbar gehupt werden.

🗼Endspurt nach Paris

Die Nacht war ruhig und der Morgen wunderschön, als die Sonne durch die Bäume blitzte. Zuerst ging es auf großen Straßen nach Évreux, danach wieder gemütlich durch kleine Dörfer. Die Bushaltestellen dort waren teilweise mit bequemen Sitzen und sogar Bücherregalen ausgestattet – fantastisch für eine Pause!

In der letzten Nacht vor Paris suchte ich einen Campingplatz, aber die sind dort rar. Der eine, den ich anpeilte, bestand nur aus fest installierten Hütten für Dauercamper und war zudem viel teurer als die netten kleinen Camping Municipaux. Also ging es wieder in den Wald. Einmal mehr war ich froh über meine Unabhängigkeit. Am Abend gab es noch einen Regenschauer, aber auch einen wunderschönen Regenbogen.

Nur noch 50 Kilometer bis Paris! Am Anfang war erstaunlich wenig Verkehr, und schon früh begannen die Radwege. Wunderschön an der Seine entlang ging es in die Stadt, vorbei an der Freiheitsstatue und dem Eiffelturm. Ich liebe das Radfahren in Paris einfach – die Stadt hat Kopenhagen in Sachen Fahrradfreundlichkeit mittlerweile fast überholt.

Mein Hostel in der Nähe des Gare de l’Est hatte ich schnell gefunden. Ich war dort schon letztes Jahr zu Beginn meiner Reise. Es war erst 14 Uhr, ich konnte direkt einchecken. Zur Feier des Tages ging ich erst einmal essen und ließ mich danach einfach durch die Stadt treiben, um das Flair zu genießen.

Tja, das war’s dann schon. Am nächsten Morgen um 7:58 Uhr fuhr mein Zug nach Straßburg. Alles völlig problemlos und pünktlich.

…das Ende – die Passerelle nach von Strasbourg nach Kehl 😢

Gut zu wissen:

  • Wetter: Es regnet auch in Frankreich!
  • Infrastruktur: Es gibt nicht überall Camping Municipaux oder perfekte Radwege. 😉
  • Versorgung: Außerhalb der Städte ist wenig los, aber verhungern muss man nicht.
  • Wildzelten: Offiziell nicht erlaubt. Ich gebe mir Mühe, dass mich niemand sieht – und wenn doch mal jemand vorbeikommt, wird meist nur freundlich gegrinst.
  • Akzeptanz: Radfahren ist Volkssport, aber Tourenradler auf der Straße werden von Autofahrern nicht immer mit der gleichen Geduld behandelt wie Rennrad-Gruppen.

Auf meiner letzten Etappe bin ich in vier Tagen stolze 399 Kilometer gefahren.

Jetzt würden mich eure Erfahrungen interessieren! Wart ihr schon mal mit dem Rad in Frankreich unterwegs? Falls ihr Fragen habt, meldet euch gerne!

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