Campingkocher 15


Warum ich einen Benzin-Campingkocher verwende

Fliegen und Verfügbarkeit von Kartuschen

1. Geschichte: Gaskocher

„Ms Fleck bitte zum Informationsschalter kommen“ ertönte es laut durch die Abfertigungshalle des Basler Flughafens. Erstaunt schaute ich mich um. Was soll das jetzt? Am besten hingehen und fragen.

Ich war auf meinem Weg nach Madagaskar. Es war die erste Flugreise mit Fahrrad und der gesamten Campingausrüstung.

Damals hatte ich noch einen alten Gaskocher als Campingkocher. Damit ich die Kartuschen in Antananarivo nicht suchen musste, hatte ich sie in meinen Fahrradtaschen „versteckt“. Den Röntgenapparaten entgeht aber nix. Ich musste die Kartuschen auf dem Flughafen lassen. Den ersten Tag auf Madagaskar habe ich dann damit verbracht, Kartuschen zu suchen.

Verstopfung der Benzinleitung

Benzin3

2. Geschichte: Benzinkocher

Nach einem langen Tag auf dem Fahrrad saß ich inmitten vom Nichts in der Mongolei. Meine erste Weltreise war die erste Reise mit Benzin-Campingkocher. Eigentlich war ich vollauf damit zufrieden. Nur seit der Mongolei, gerade da, wo ich ihn am nötigsten brauchte, zickte er. Mit dreckigen Händen und auseinander gebautem Kocher saß ich in der Kälte und im Regen bei den Nomaden (Ich gebe jetzt hier nicht alles wieder, was ich da von mir gegeben habe). Die Mongolen boten mir an, mein Wasser auf dem Ger-Ofen zu kochen. Aber das dauerte und Geduld ist nicht meine Stärke. Mir blieb aber nichts anderes übrig. Mein MSR Whisperlite Benzinkocher tat keinen Mucks mehr.

Später erfuhr ich, dass es in der Mongolei (2008) noch verbleites Benzin gab, was Gift für den Kocher ist.

Inzwischen habe ich gelernt, wie ich meinen Benzinkocher fast Ruß-frei bedienen kann. Das Geheimnis ist einfach: für das Vorglühen einen anderen Brennstoff benutzen, der sauberer verbrennt, zum Beispiel hochprozentiger Alkohol oder einfach Brennspiritus. Das normale Autobenzin wird danach auch fast Ruß-frei verbrannt. Ich habe jetzt zwar ein Fläschchen mehr in der Tasche, aber diese paar Gramm sind mir der Vorteil, den ich dadurch habe, wert.

Benzin2

Müll

Am Ende meiner zweiten Weltreise ging die Pumpe meines MSR Whisperlites kaputt. Ich war schon in Andorra. Die Tage, an denen ich überhaupt noch einen Campingkocher brauchte, waren gezählt. Anstatt mich um meinen Benzinkocher zu kümmern, kaufte ich schnell einen Gaskocher. Mit Gas zu kochen ist wesentlich einfacher, da das Vorglühen wegfällt – einfach anmachen und kochen. Allerdings schockierte mich der Müll. Obwohl ich eigentlich nicht richtig kochte, sondern nur Wasser heiß machte, reichte eine kleine Kartusche gerade mal fünf Tage. Das wären bei einer sechswöchigen Tour acht bis neun Kartuschen. Vielleicht kann man sich den Berg nach zwei Jahren und drei Monaten vorstellen.

gas2

Klar, ich hätte auch eine größere Kartusche nehmen können. Dann bekommt der Kocher aber gleich ein ganz großes Minus fürs Packmaß, zumal ich auch noch Ersatzkartuschen mitnahm.

Da ich nur einen Gaskocher für Schraubkartuschen bekommen habe, bekam ich nicht einmal in Frankreich überall Ersatzkartuschen. Deswegen konnte ich auch eine größere Kartusche wählen. Außerdem sind die Kartuschen nicht gerade günstig. Für meine 0,33 l Benzin, soviel passt in meine Benzinflasche, was auch ungefähr fünf Tage hält, zahle ich maximal 50 Cents. Für die Kartusche zahle ich 5 Euro. Bei einem Wochenendtrip fällt das nicht so ins Gewicht, für eine längere Tour sollte man allerdings die Folgen bedenken.

Für welchen Kocher soll ich mich nun entscheiden ?

Du kannst nun für Dich selber entscheiden, was für einen Kocher für welchen Einsatzbereich für Dich der richtige ist.

Außer mit einem Esbit-Kocher in meiner ersten Campingzeit, habe ich keine Erfahrungen mit Hobokochern, den kaminähnlichen Kochern, in denen man vor allem Holz verbrennen kann. Auch wenn der BioLite CampStove mit Ladeanschluss für das Handy sehr vielversprechend aussieht, ist es nichts für mich. Zu oft war ich schon in Gegenden, wo ich kein trockenes Holz hatte, vor allem nicht so schön zurecht gestückelt, damit sie in den Kocher passen.

Multifuelkocher bringen nur gegenüber dem Benzinkocher signifikante Vorteile, wenn sie auch mit Gaskartuschen betrieben werden können. Unter 100 Euro kommt ihr aber hier nicht weg.

Als Entscheidungshilfe hier einen Überblick über die gängigen Campingkocher-Arten mit je drei bekannten Produkte, mit ihren Vor- und Nachteilen:

Vorteile Nachteile Gewicht Preis
Benzinkocher
  • funktioniert auch unter extremen Bedingungen in extremer Höhe oder Kälte
  • Benzin bekommt man überall
  • Kein Müll
  • sehr große Effizienz und regulierbar.
  • Benzin verbrennt nicht sauber (Vorglühen mit Alkohol)
  • kann sehr laut sein
  • je nach Qualität des Brennstoffs Reinigung
50 € – 150 €
320 g

/Kocher + Pumpe

     109,95 €

ohne Benzinflasche

400 g

/Kocher + Pumpe

     164,95 €

ohne Benzinflasche

680 g

78,99 €

Gaskocher – sehr einfache Bedienung

  • sehr sauber
  • leise
  • hoher Wirkungsgrad
  • geruchsfrei, gesund
  • keine Reinigung nötig
  • viel Abfall
  • Kartuschen teuer,
  • nicht überall erhältlich
  • funktioniert nicht unter 5°C (Butan)
30 € – 200 €
600 g

129,95 €

805 g

189,90 €

212 g

44,95 €

Multifuelkocher
  • Mischung aus Gas- und Benzinkocher.
  • Kann überall benutzt werden.
  • Muss wie Benzinkocher öfter gereinigt werden.
340 g/

Kocher + Pumpe

149,95 €

ohne Benzinflasche

470 g/

Kocher + Pumpe

199,95 €

ohne Benzinflasche

220 g

113,03 €

ohne Benzinflasche

Hobokocher
  • je nach Ausführung geringes Packmaß
  • leicht
  • feste Brennstoffe wie Holz und Papier
  • muss ständig nachgefüttert werden.
  • Heizleistung ist von der Verbrennungsluftzufuhr abhängig.
  • was tun wenn man kein trockenes Holz hat?
mit USB Ladeanschluss 935 g

179,95 €

260 g

29,95 €

220 g

22,95 €

Für ausführliche Testberichte gibt es hier den passenden Link dazu. 

Seit ich meinen Benzinkocher mit Brennspiritus vorglühe, habe ich absolut keine Probleme mehr und auch keine schwarzen Finger. Er wird mir hoffentlich noch einige Jahre erhalten bleiben.

Ich gestehe, meinen Gaskocher habe ich inzwischen auch wieder benutzt. Für drei Tage habe ich einfachheitshalber den mitgenommen. Eine Ersatzkartusche habe ich eh noch.

Herd

Guten Appetit!

Was für einen Kocher benutzt ihr? Welche Erfahrungen habt Ihr damit?


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15 Gedanken zu “Campingkocher

  • Manuela griene

    Hallo Dorothee, das ist mal wirklich hilfreich dieser Bericht. Ich habe auch einen benzinkocher, aber auch der hatte mich schon im Stich gelassen. meine Frage, wo bekommst du unterwegs hochprozentigen Alkohol oder Brennspiritus her?
    Wir benutzen in Europa oft gaskartuschen da reichen uns als Familie 2-3 Kartuschen für 3 Wochen.. Länger sind wir leider nicht unterwegs. Aber Gas hat bislang immer funkioniet obwohl der primitive Kocher schon richtig alt ist..

    Danke nochmal für den Tipp

    Werde ich gleich weiterleiten da meine Freundin auch schon über meinen benzinkocher geflucht hat..

    Bis dann

    • doroFleck Beitragsautor

      Hallo Manu, es war einfacher in Südamerika an hochprozentigen Alkohol zu kommen, als in Deutschland. Dort gab es in den meisten Läden „medizinischer“ Alkohol, schön abgepackt in kleinen Fläschchen für wenig Geld. Hier zahlt man in Apotheken Unsummen dafür. Aber Brennspiritus ist nicht viel anders und erfüllt auch den Zweck.

      liebe Grüße Dorothee

  • rollinger

    Ich bin viel in Europa unterwegs und CampingGas in den blauen Flaschen geht immer und überall und ich bin von der Ausbeute bei der großen Flasche immer ganz erstaunt. Ich koche für fünf Leute!
    Aber die Restglut im Grill reicht auch oft für den Kaffee. Aber interessant, dass das Blei den Benzinkocher lahmlegt weil die Starttemperatur zu niedrig ist. Pass auf die Dämpfe auf, die sollten nicht ins Essen gelangen.
    Ich sah zb in Italien in Supermärkten Spiritus in Flaschen. Der Liter zum Spottpreis, der sollte auch auf dem Herd laufen.
    Sehr interessantes blog, ich bin dabei!

    • doroFleck Beitragsautor

      vielen Dank und herzlich willkommen.
      Keine Frage, CampingGaz funktioniert immer und man bekommt die Kartuschen sehr häufig. Wenn mann länger, ein paar Jahre, unterwegs ist, sollte man die Sache überdenken.
      Spiritus ist gut zum Vorglühen des Kochers. Zum Kochen ist wahrscheinlich nicht kräftig genug.
      Viel Spaß weiterhin.

  • John Wien

    Hallo,
    habe den guten, alten Trangia vermisst. Brennstoff: Spiritus/Alkohol, ist überall verfügbar, sehr einfache Technik des Brenners. Ein knappes Kg für den Brenner incl. Windschutz, zwei Töpfen und einer Pfanne. Mein alter hat auch noch einen kleinen Wasserkessel. Der Sturmkocher trägt diesen Namen wirklich zu Recht. Außerdem steht er sicher, was nicht nur im Zelt ein wichtiges Argument ist. Ja, er ist nicht der schnellste. Besonders bei großen Höhen, z.B. auf dem Altiplano in Bolivien brauchten wir etwas Geduld. Dafür kann man die Zeit aber prima anderweitig nutzen.
    Ich schätze meinen alten Trangia weil er alles nötige in einem kompakten Packet beherbergt (Spüli, ein halber Schwamm, ein Rackletspachtel, ein Geschirrtuch passen auch noch mit rein) und technisch sehr einfach ist. Was nicht mit rein passt ist die Brennstoffflasche.
    Alles zusammen passt aber prima in eine Frontroller.
    Spiritus ist reiner Alkohol, der vergällt wird, um keine Brandweinsteuer zahlen zu müssen und Alkohol gibt es wohl überall auf der Welt. In den Silberbergwerken in Bolivien trinken die Minenarbeiter 90%igen Alkohol. Es gibt ihn folglich für wenig Geld auf den Märkten zu kaufen.

    • doroFleck Beitragsautor

      Vielen Dank John, für den interessanten Kommentar. Ich habe Trangia als Topf und Wasserkessel. Wahrscheinlich sind die weit über 20 Jahre alt. Also Trangia ist auf jeden Fall von Qualität. Ich habe gelesen, dass der Trangia für 1 l 15 Minuten braucht. Stimmt das?
      Spiritus/Alkohol ist wirklich überall zu bekommen, darum benutze ich es für meinen MSR zum Vorheizen.

      • John Wien

        Hallo,
        ich habe tatsächlich nie auf die Uhr geguckt, wie lange der Trangia für 1 Liter Wasser braucht. Die Zeit ist auch abhänig von der Höhe nn und wieviel Wasser im Spiritus ist (5-10 % Wasserzugabe verhindern das rußen)
        Gruß
        John

  • Robert Huxoll

    Hallo Dorthee!
    Ich habe deiner Liste noch meinen Esbit Taschenkocher (groß) hinzuzufügen.
    Auf kurzen Reisen über 1-2 Wochen durchaus auch eine Alternative mit sehr geringem Gewicht und kleinstem Packmaß.
    Die Esbit-Tabletten verbrennen leider nicht ganz so heiß wie Gas, so daß er eher zum Teekochen geeignet ist.
    Aber auch richtiges Kochen ist damit möglich. Eine große Esbit-Tablette brennt gerade lange genug, um bei gutem Windschutz (sehr wichtig, da viel Hitze sonst verpufft!) einen Liter Wasser im Topf mit Deckel (!) zum Kochen zu bringen.
    Bei längeren Radreisen bevorzuge ich dann aber doch meinen Gaskocher mit separatem Gestell und Schlauch zur Schraub-Gaskartusche (kann nicht so leicht versehentlich umkippen und der Windschutz reicht höher).
    Für mich absolut unverständlich ist, daß immer noch keine nachfüllbaren Kartuschen mit vielleicht einem Liter Flüssiggas zu finden sind… Die Umweltverschmutzung mit den Leerkartuschen würde ich gerne auch vermeiden können!

    • doroFleck Beitragsautor

      Vielen Dank für den KommentaR. Für eine kürzere Tour ist Esbit sicher eine Alternative. Allerdings würde ich mir Gedanken machen, wo ich neuen Brennstoff bekomme. Bei Esbit bin ich mir da nicht so sicher. Allerdings ist es wahrscheinlich der einzige Brennstoff, den man im Flieger mitnehmen kann.
      Viele Grüße aus dem sonnigen Spanien, mit meinem MSR Whisperlite
      Dorothee

      • Robert Huxoll

        In Bezug auf die Verfügbarkeit hatte ich auf Kurztouren noch keine Probleme. Ich habe den Bedarf immer vorher großzügig abgeschätzt und vorab die benötigte Menge gekauft. Auslandserfahrungen wegen Nachkaufs habe ich noch keine.
        Eine Schachtel der Tabs paßt genau in den zusammengefalteten Kocher. Weitere Schachteln kann man immer auch noch irgendwo mit hineinstopfen. Eine Schachtel enthält 12 Tabs, die man auch noch bei geringem Bedarf gut durchbrechen kann. Die 12 Tabs wiegen ganze 168 Gramm und mit Schachtel 170 Gramm. Damit entsprechen 3 Schachteln dem Gewicht einer 450 Gramm Schraubkartusche. Vom Packmaß sind diese günstiger ( Schraubkartusche 16cm*11cm*11cm / Esbit-Schachtel 11cm*9cm*3cm / Esbit Taschenkocher mit Tab-Schachtel 13cm*9,5cm*3,7cm ).
        Hier einmal ein Foto zum Größenvergleich auf meinem Profil bei vkontakte.ru :
        http://cs629208.vk.me/v629208972/2fcbe/ybtK6RzBdqs.jpg
        Für eine Tagestour und as 2. Brennstelle habe ich auch noch den kleinen Esbit-Kocher. Er wiegt mit einer Schachtel kleiner Tabs gerade einmal 170 Gramm, paßt wirklich in jede Hosentasche aber sollte nicht für mehr als für einen Becher Kaffee oder eine Tütensuppe eingeplant werden…
        Für Esbit-Tabs gilt übrigens das gleice wie für normales Sommergas: bei Temperaturen unter 5°C reicht die Heizleistung nicht mehr – oder nur mit viel zu großem Verbrauch!
        Gruß zurück aus dem vernieselten Bremen bei +5°C
        Robert

        • doroFleck Beitragsautor

          Vielen Dank für die ausführliche Information. Für kleine Touren ist der Esbit-kocker sicher eine prima Alternative. Da ist man dann auch nicht unter 5°C unterwegs oder auf höhen über 3.000 m.

    • doroFleck Beitragsautor

      Hi Simon

      Es ist schon 9 Jahre her, dass ich in der Mongolei war. damals wusste ich noch gar nichts von kartuschen mit Drehverschluss :-).
      Ich wage es aber stark zu bezweifeln. Auch hier i Afrika findet man sie so gut wie nie. wenn man Glück hat, bekommt man die normalen.
      Ich hatte in der Mongolei noch das Problem, dass sie nur verbleites Benzin hatte. Ich war nur noch am Düsen reinigen. Also unbedingt mit Brennspiritus, vielleicht geht auch der selbsternannte Wodka :-), vorheizen.

      Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen.
      liebe Grüße aus Mosambik

    • Robert Huxoll

      Hallo Simon!
      Bis zur Mongolei habe ich es noch nicht geschafft aber aus einigen Berichten im Radreise-Forum ( http://rad-forum.de/ ) so ungefähr in Erinnerung, daß die wohl ziemlich einzige Möglichkeit zum Kauf westlicher Produkte für Fahrräder und Campingzubehör inder Hauptstadt Ulaanbaatar gegeben ist. Falls du auch Mitglied im Radreise-Forum bist lohnt sich bestimmt eine Anfrage dort.
      Viel Erfahrung mit der Mongolei haben auch Denis & Tanja Katzer ( http://denis-katzer.de/de/ ). Die beiden sind bei Fragen auch gerne hilfsbereit.

      • doroFleck Beitragsautor

        Hallo Simon,

        vielen Dank für Deinen Kommentar. Auch ich war lange Zeit im Radreise-Forum. Zur Zeit nicht mehr so aktiv. Für alle, die nicht auf FaceBook sind, sicherlich eine wertvolle Informationsquelle.
        Neben Ulan Bator gab es eigentlich keine richtigen Städte in der Mongolei. Daran wird sich auch in den letzten neun Jahren nichts geändert haben.
        Egal was man möchte, wenn man es überhaupt in der Mongolei bekommt, dann in Ulan Bator.

        Viele Grüße aus Malawi
        Dorothee