Lesotho: das Königreich


LESOTHO – für alle, die hoch hinaus wollen

Bis kurz vor Lesotho wusste ich kaum etwas über das kleine Königreich mit den vielen Bergen, von Südafrika umzingelt. Erst kurz vorher las ich, dass es sehr hoch liegt. Um es besser kennen zu lernen fuhr ich mal kurz vorbei.

Das Ende von Südafrika war ein gutes Training für Lesotho. Es gab schon so manchen Anstieg.
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Als ich über die Grenze fuhr, wusste ich noch überhaupt nicht, welche Route ich durch das kleine Land fahren sollte. Der Anfang war schon mal sehr freundlich. Am Spätnachmittag kam ich in Lesotho an. Ich wurde nicht nur sehr freundlich empfangen, sondern konnte auch gleich mein Zelt hinter dem Zoll aufstellen.

Am nächsten Morgen konnte ich es langsam angehen lassen.
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Wie praktisch, dass es nicht weit von der Grenze einen WarmShower Gastgeber gibt, Tshebo in Mafeteng.
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(hier mit dem traditionellen Mokorotlo)

Er widmet sein ganzes Leben den Kindern und dem Fahrrad und ist Gründer von „Hands of Life – Bicycles“.
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Nach der Schule treffen sich einige Jungs in seinem Garten, schrauben an Fahrrädern oder werden anderweitig sinnvoll beschäftigt.
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So sind die Jungs nach der Schule sehr gut aufgehoben.

Leider halt (noch) nur Jungs. In diesem Alter (zwischen neun und vierzehn) haben die Jungs kein großes Interesse an Mädchen. Als ich fragte, warum sie keine Mädchen in ihrer Gruppe haben, lachten sie nur schüchtern. Sehr schade. Ich hoffe, dass sich eine engagierte Frau findet, die parallel dazu eine Mädchengruppe aufmacht.

Tshebo nahm mich mit in die Schule, wo er unentgeltlich, inoffiziell „Lebenshilfsregeln“ lehrt. Für viele ist er eine Vertrauensperson und ein großes Vorbild. Tshebo ist in Südafrika aufgewachsen, kennt also auch ein anderes Leben, und was man daraus alles machen kann.

Es war mir ein Vergnügen, ihn in die Schule zu begleiten.
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Vor der ganzen versammelten Schule durfte ich von meiner Reise erzählen. Fahrradfahren ist nicht nur für Jungs, auch Mädchen können ihre Freude daran haben und viel dabei lernen.  

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Inzwischen hatte ich viel über das Land und Leute gelernt und war bereit, mich in die Berge aufzumachen.
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In diesem kleinen Königreich haben sich alle Berge des südlichen Teils des Kontinents vereint. Sie stehen so dicht gedrängt beieinander, dass manchmal kaum mehr ein Tal dazwischen passt. Ein Pass jagt den anderen.
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Der Pass, bei dem man Gott um Hilfe bittet, war noch einer der einfachsten und niedrigsten. An diesem Tag kamen drei Pässe. Vor dem letzten und höchsten, dem „Blue Mountain Pass“ mit 2.633 Höhenmetern, hielt immer wieder ein Auto an. Mir wurde eine Mitfahrgelegenheit angeboten. Heroisch lehnte ich dankend ab. Zum Dank dafür hat es dann oben auf 2.633 Höhenmetern angefangen zu schütten. Man kann sich vorstellen, dass es in dieser Höhe auch sehr schnell sehr kalt wird.

Es gab nichts- Keine Unterstellmöglichkeit, keinen Schutz. Nur Regen, Blitz und Donner. Nichts wie weg hier. Es hätte so schön sein können. Den Blick auf den Mohales Stausee konnte ich nur erahnen.

Es ging fünfzehn Kilometer bergab. Ich war richtig froh, als es kurz mal wieder bergauf ging, damit ich strampeln konnte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in meinem Leben so gefroren habe.

Dann endlich das erste Dorf. Ich steuerte sofort einen Laden an, der vorne einen Lagerraum hatte. Vor lauter Zittern konnte ich nichts sagen, stand nur da und fror. Und wieder einmal war es so, wenn es mir am Übelsten geht, treffe ich die nettesten Leute.  Sofort rannten alle los, machten heißes Wasser für ein Fußbad und einen Tee und führten mich in den hinteren Teil des Lagerraumes, wo ich mich meiner nassen Kleider entledigen konnte. Sie wuschen mich mit dem warmen Wasser und cremten mich ein. Eingemummelt in trockene Kleider und heißen Tee trinkend ging es mir gleich viel besser.

Jetzt brauchte ich nur noch einen Platz, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Das hatte sich auch gleich erledigt, denn ich wurde von einer jungen Angestellten eingeladen in ihrem „Einzimmerhaus“ zu schlafen. Dank eines Petroleumöfchen war es sogar warm.

Erst am nächsten Tag konnte ich die ganze Schönheit der Berge genießen. Die Sonne schien, als ob nichts gewesen wäre.
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Ganz unten sieht man ein bisschen des Mohales Stausees.
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Dank des Seguyane Flusses, der ein tiefes Tal in die Berge gearbeitet hatte, ging es bis auf 1.800 Höhenmeter hinunter, damit es danach umso mehr wieder nach oben ging. Unten war es wenigstens schön warm. Ich konnte endlich alle meine Sachen trocknen lassen.

Übernachten konnte ich in einer sehr modernen Schule, die noch nicht ganz fertig war. Ein super-reicher Mann aus Maseru (der Hauptstadt) sponserte das ganze, samt einer riesigen Kirche. Damit er zur Kontrolle kurz einfliegen kann, gibt es einen Helikopter-Landeplatz.

Je höher es ging, desto traumhafter wurde es. Diesmal ging es bis auf 2.900 Höhenmeter, auf den Mokhoabong Pass.
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Vielleicht war es heute auch nicht so steil, oder ich wurde wirklich immer fitter. ich musste überhaupt nicht schieben.

Ab 2.600 Höhenmetern war nichts mehr los. Davor hörte ich noch ab und zu Kuh- oder Schafsglocken oder einen singenden Hirten.

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Die Hütten standen vereinzelt weit ab von der Straße. Mit Autos oder Fahrrädern kann man hier wenig anfangen. Nur mit Esel oder Pferd kommt man zu den Gehöften. 

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Steil bergab ging es nach Thaba Tseha, dem ersten größeren Ort. Die scheppernden Lautsprecher vor jedem Laden und auch der sonstige Krach haben mich schnell vertrieben.

Auch in Lesotho waren die Chinesen schwer am Gange, viele Straßen sind geteert und (noch) im guten Zustand. Die höchsten Pässe sind mittlerweile asphaltiert. Es gibt aber noch Schotterpisten, zum Beispiel zwischen Thaba Tseha und Katse.

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Für lesothische Verhältnisse war das Stück fast schon eben. 
DSCN7710kleinEs ging schön in Schlangenlinien am Rande einer Schlucht entlang.
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Auch hier kamen Orte, die direkt heimatliche Gefühle aufkommen ließen.
DSCN7713kleinÜbernachten durfte ich mal wieder bei einem staatlichen Chief,
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So eine Einladung ist zwar ganz nett, aber auch hier musste ich mein bepacktes Fahrrad zur Hütte hochbringen. Gar nicht so einfach, steil bergauf ohne Wege. Dafür war die Aussicht mal wieder genial.
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Von da waren es nur noch 25 Kilometer bis zur geteerten Straße. Auf der ging es dann einige hundert Höhenmeter hinunter zum Katse-Stausee
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und auf der anderen Seite ging es genau so steil, aber nicht mehr so schnell hoch, wie soll es auch anders sein. Von dort hatte ich einen schönen Ausblick auf den See, der kaum Wasser hatte.

Danach jagte ein Pass den anderen. Ich war fix und fertig. Ein Blick nach oben reichte: der nächste  Pass! Oh nein! Eine Frau rief mir zu, ich könne auch hier schlafen.

Vielen Dank! Vor allem als es dann bald anfing zu regnen, war ich ihr (Frau mit dunkelblauem Rollkragenpullover) sehr dankbar.

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Obwohl der Katse-Staudamm mit Stromerzeugung gerade um die Ecke ist, haben sie hier keinen Strom. Ihre Smartphones und Tablets laden sie mit Solarzellen.

Am nächsten Morgen konnte ich gestärkt den nächsten Pass (über 2.600 Höhenmeter) in Angriff nehmen.

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Danach ging es, wie soll es auch anders sein, ruckzuck wieder hinunter zum Katse-Stausee.

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Unten (in ganz Lesotho geht es nicht unter 1.000 Höhenmeter) steht die längste Brücke Lesothos.

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In Lejone habe ich zum Glück meinen Kalorien- und Blutzuckerspiegel etwas erhöht. Kurz nach dem Ort – es ging natürlich wieder hoch  – kamem mir Motorradfahrer entgegen. Sie wunderten sich, wie ich da hoch kommen möchte. Ich nahm es zuerst gelassen. Als sie dann aber meinten, es gehe auf über 3.000 Höhenmeter hoch, war ich nicht mehr so gelassen.

Das Wetter wurde immer schlechter. Zuerst stand ich in den Wolken, dann fing es an zu regnen. Diesmal holte ich wahrscheinlich das erste Mal in Afrika meine Regenhose und Gamaschen heraus.

Es wurde immer steiler. Ich fing an zu schieben. Regen brachte hier meistens auch Gewitter mit sich.  Das war wirklich furchteinflößend! Die Blitze schlugen um mich herum in die Hochspannungsmasten ein. Es gab absolut nichts, wo ich mich hätte unterstellen können. Ich musste einfach weiter.

Als es durch Felsen hindurch ging, dachte ich, das war der Pass. Aber es fehlten noch mehr als hundert Höhenmeter. Es ging nur kurz hinunter und dann wieder hoch.

Ich sah überhaupt nichts mehr, keine fünfzig Meter weit. Ich stand nur im Nebel.

Es gibt Sachen im Leben, da muss man einfach durch, wie hier.

Dann endlich der Mafika Lisiu Pass mit 3.090 Höhenmetern!
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Leider war auch der Viewpoint total im Nebel, da war nicht viel mit Aussicht.

Da es sehr schnell bergab ging, war ich bald unter den Wolken und konnte noch etwas von dem gigantisch schönen Pass sehen
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Immer wieder im Regen ging es nach Pitseng. Schulmädchen führten mich zu dem großen Areal der Polizeistation. Hier wollte ich eigentlich zelten. Als der zuständige Polizist mich so nass und verfroren sah, meinte er, ich könne auch in einem Zimmer schlafen und zeigte mir ein Büro. Welch Luxus!!! Es war warm, trocken und hatte sogar Steckdosen!

So verbrachte ich meine letzte Nacht in dem wunderbaren Königreich.

Vergleichsweise langweilig, ohne Pass, mit mehr Verkehr, ging es am nächsten Tag zur Grenze bei Buthe Buthe. Die Berge der letzten Tage saßen mir schwer in den Knochen.

Ich war zehn Tage in dem Land und bin 562 Kilometer gefahren. Wieviel Höhenmeter es waren, weiß ich leider nicht.

Wenn man Berge nicht scheut, ist Lesotho ein Traumland für Fahrradtouren.

Wie es im Nordosten von Südafrika und in Swaziland weiterging, könnt Ihr das nächste Mal lesen.


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2 Gedanken zu “Lesotho: das Königreich

  • heike

    hi dorothee,

    was fuer ein abenteuer. gespannt verfolge ich immer deinen afrika-blog. dir viel glueck.
    was machst du mit aethiopien? willst du da auch mit dem rad durch???

    viele gruesse aus taiwan
    heike

    • doroFleck Beitragsautor

      Vielen Dank, Heike. Ja, so wie es aussieht fahre ich auch durch Äthiopien. Ich weiß aber noch nicht, welche Route. Es wird auf jeden Fall noch spannend. Ich werde darüber berichten.

      Viele Grüße von Sansibar,
      Dorothee